Kultur : Das Bad im Kornfeld

Im Wettbewerb: „Io non ho paura“ von Gabriele Salvatores

Frank Noack

Endlose Kornfelder in satten Farben. Wolkenloser Himmel. Kleine Jungen und Mädchen, die um die Wette rennen. Lauter wunderschöne Bilder, die man nicht unbeschwert genießen kann, weil vorher schon ein Rabe in Großaufnahme zu sehen war. Regisseur Gabriele Salvatores verliert nicht viel Zeit, um die Grundstimmung seines Films zu etablieren. Er konfrontiert die Unschuld mit dem Bösen, schwankt zwischen Zärtlichkeit und Sadismus, präsentiert Kinder, die zum Verrat ebenso fähig sind wie zum selbstlosen Opfer. Dabei zeigt er keinerlei Scheu vor drastischer Wetter-, Tier- und religiöser Symbolik. Grillen zirpen und verstummen auf Befehl. Schweine quieken, bewacht von einem halbnackten dicken Mann mit Halskrause, der einer Opernarie aus dem Radio lauscht. Die Welt, durch die sich der 10-jährige Protagonist Michele (Giuseppe Cristiano) bewegt, ist schlichtweg bizarr. Sie wird noch bizarrer, nachdem der Junge in einem Verließ eine gefangene Kreatur entdeckt hat. Wie er hinter dem Rücken seiner Eltern Essen in das Versteck schmuggelt und zu dem angeketteten Wesen eine Freundschaft aufbaut, das inszeniert Salvatores konsequent als Horrormärchen. Die Kreatur erweist sich als gleichaltriger Junge, den Michele vor grausamen Erwachsenen beschützen muss. Wie schade, dass nach etwa einer Stunde eine konventionelle Krimihandlung einsetzt, in der zu viel erklärt wird. Da verliert der Film ein wenig von seinem magischen Reiz. Seine Form mag insgesamt besser sein als der Inhalt. Aber sie lässt ihn oft vergessen.

Heute 12, 21 Uhr, 14. 2. 18.30 Uhr (Royal)

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