Das geplante neue Bauhaus-Museum in Dessau wird für viele Diskussionen sorgen

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Das Bauhaus in Dessau : Neue Meister
Ronald Berg

Über ein Jahrzehnt hatte die Fachwelt über das Für und Wider einer Rekonstruktion dieses Gebäudes gestritten. Die Stiftung Bauhaus war lange dagegen, bis 2009 der Berliner Architekt Philipp Oswalt Direktor wurde und sich für eine Kompromisslösung einsetzte. Die sieht nun so aus: Das Haus wird vom Berliner Architekturbüro Bruno, Fioretti und Marquez nach dem Prinzip der „präzisen Unschärfe“ interpretiert. Die wiedererrichtete Kubatur orientiert sich am einstigen Gipsmodell (!) und versucht die Erinnerung an das Original wie in einer unscharfen Fotografie mit einzubauen. Vergangenheit und Gegenwart sollen so simultan anschaulich werden. Ob diese Art der interpretierenden Rekonstruktion funktioniert, bleibt fraglich. Den einzigen Bau von Mies van der Rohe in Dessau, eine kioskartige kleine „Trinkhalle“, in der das Grundstück von Gropius umfassenden Mauer wird übrigens bei der Gelegenheit gleich mitrekonstruiert. Auch dieses Unterfangen erntete Kritik: „Die Mauer muss weg!“, forderten Anwohner.

Neuen Diskussionsstoff könnte auch Dessaus zweite wundersame Bauhaus-Vermehrung auslösen. Seit Anfang Juli ist gewiss: Die Stadt bekommt ein neues Bauhaus-Museum! Die Freude bei Philipp Oswalt ist groß, besteht doch die Hoffnung, dass hier bis zum 100. Bauhaus-Gründungsjubiläum im Jahr 2019 angemessen klimatisierte Ausstellungsräume für die nach Berlin zweitgrößte Bauhaus-Sammlung entstehen werden. Einen Haken gibt es. Das 25 Millionen teure Bauwerk soll nicht in der Nähe des Bauhaus-Ensembles entstehen, sondern im Stadtpark von Dessau. Vier Jahre hat Oswalt für das Museum gekämpft. Nun kommentiert er die Entscheidung vorsichtig: „Die Freude wäre noch größer, wenn die Wahl für einen von der Stiftung präferierten Standort in der Nähe des Bauhauses gefallen wäre“. Das Bauen im Park kommt Land und Bund, die Hauptgeldgeber, allerdings billiger. Für die konkrete Architektur muss ein Wettbewerb noch ausgeschrieben werden.

Immerhin kann Dessau jetzt im Hinblick auf das Jubiläum zum Bauhaus-Gründungsort Weimar aufschließen. In Weimar ist ein Bauhaus-Museum nach Plänen der Berliner Architekten Heike Hanada und Benedict Tonon bereits projektiert. In Berlin hingegen, dem dritten Bauhaus-Standort und Sitz des Bauhaus-Archivs, ist derzeit noch alles offen. Der seit zehn Jahren erhoffte und dringend benötigte Erweiterungsbau für die mit 115 000 Besuchern jährlich meistbesuchte Bauhaus-Einrichtung ist vom Land Berlin immer wieder auf die lange Bank geschoben worden. Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archivs sieht jetzt dennoch „gute Chancen“, das 100-jährige Bestehen „in einem neuen Erweiterungsbau feiern zu können."

Während das Bauhaus in Dessau und Weimar durch die Neubauten beständig in den Schlagzeilen ist und um jedes Detail hitzig gerungen wird, fehlt in der Berliner Politik jedes Feuer für einen Neubau. Ob Berlin im Hinblick auf das Jubiläum 2019 eine Blamage erspart bleibt? Muss die Provinz der Hauptstadt dann zeigen, wie attraktiv und aktuell das Bauhaus immer noch ist? Schließlich erkennt auch der Bund das bevorstehende Jubiläum als „Angelegenheit von gesamtstaatlicher und internationaler Bedeutung“, wie es kürzlich Kulturstaatsminister Bernd Neumann formulierte.

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