Kultur : Das Beben der anderen

Deutscher Filmpreis: dieNominierungen

Jan Schulz-Ojala

Fast wäre die Sache schief gegangen. Als die Macher des Stasi-Films „Das Leben der Anderen“ vor zwei Jahren ihr ehrgeiziges Projekt zu finanzieren suchten, da taten sich ihnen allerlei Fördergeldsäcke auf, nicht jedoch der des Kulturstaatsministers (BKM). 250 000 Euro hatte die junge Münchner Produktionsfirma Wiedemann & Berg dort beantragt, doch vergebens – und auf einmal stand das mit schlichten 1,8 Millionen veranschlagte Projekt heftig auf der Kippe.

Doch kein Zittern ohne – mitunter pikantes – Happy End: Dank der 700 Mitglieder fassenden Deutschen Filmakademie, die „Das Leben der Anderen“ gestern in Berlin für den Deutschen Filmpreis nominierte, muss das Ministerium schon mal exakt jene Summe herausrücken, die es auf Ratschlag einer Jury einst verweigerte. Und wenn’s ganz besonders peinlich kommt, dann gibt’s dieselbe Summe als Nachschlag oben drauf – sofern das bestechend gemachte Erstlingswerk am 12. Mai im Berliner Palais am Funkturm die Goldene Lola holen sollte.

Die Chancen stehen, diskret ausgedrückt, nicht schlecht: Mit elf Nominierungen ist das DDR-Vergangenheitsbewältigungswerk des 32-jährigen Westdeutschen Florian Henckel von Donnersmarck der große Favorit auf die Top-Trophäe. Doch ordentlich Leben – und einen heißen Atem im Nacken des Favoriten – haben auch andere Filme, vor allem Hans-Christian Schmids „Requiem“ ( mit zehn Nominierungen). Auch möglich, dass sich am Ende, wie schon bei „Alles auf Zucker“ im ersten Filmpreisjahr unter Akademie-Regie, der gemütvollste audience pleaser nach vorn schiebt: Andreas Dresens „Sommer vorm Balkon“ kann sechs Nominierungen vorweisen.

Weitere soeben benannte Großprofiteure des mit 2,845 Millionen Euro höchstdotierten deutschen Staats-Kulturpreises: Detlev Bucks „Knallhart“, Vanessa Jopps „Komm näher“ und Hany Abu-Assads jüdisch-palästinensischer, aber deutsch finanzierter „Paradise Now“: Sie alle haben bereits mit der Nominierung 250 000 Euro sicher. Auch die Dokumentarfilmproduzenten von „Die große Stille“ und „Lost Children“ und die Macher der Kinderfilme „Die Höhle des gelben Hundes“ und „Der Schatz des weißen Falken“ können sich über 100 000 bzw. 125 000 Euro freuen. Holen sie die Goldene Lola in ihrer Kategorie, verdoppelt sich die Summe.

Die großen Verlierer? Zuallererst Oskar Roehlers „Elementarteilchen“, getröstet immerhin mit Nominierungen für Martina Gedeck und Moritz Bleibtreu. Dominik Grafs „Roter Kakadu“, in der Vorauswahl hübsch vertreten, ging dagegen ganz leer aus (alle Nominierungen unter www.deutsche-filmakademie.de).

Kleine Anregung: Die Akademie möge die Nominierungskür, zeitweise zum pompösen Gala-Event aufgeblasen, künftig gleich ins Netz stellen. Die Pressekonferenz jedenfalls in der Neuen Nationalgalerie erwies sich als scharf grenzwertiges Ereignis: eher Schwarzer Kanal als Blackbox BKM. Für die Nachwelt bewahrenswert nur der Satz, mit dem Akademie-Präsident Günter Rohrbach einige würdevolle Ausführungen von Kulturstaatsminister Bernd Neumann kommentierte: „Ich kann nicht verneinen, dass es uns immer großes Vergnügen bereitet, Ihnen zuzuhören.“ Feiner kann man es nicht sagen.

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