Das Berliner Einheitsdenkmal : Bundestag entscheidet am Donnerstag erneut

Noch ein Streitobjekt in Berlin, die Einheitswippe. Die Große Koalition will am Donnerstag erneut einen Plenarbeschluss für das Denkmal. Aber eine repräsentative Umfrage besagt: Die Mehrheit der Deutschen ist dagegen.

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"Bürger in Bewegung": Der Entwurf für das Einheitsdenkmal vor dem Berliner Schloss. Foto: Milla&Partner / Sasha Waltz - dpa
"Bürger in Bewegung": Der Entwurf für das Einheitsdenkmal vor dem Berliner Schloss.Foto: Milla&Partner / Sasha Waltz - dpa

Berlin starrt zur Zeit gern auf seine Symbole und streitet sich. Auf das Räuberrad vor Frank Castorfs Volksbühne, auf das Kreuz für die Kuppel des Berliner Humboldt-Forums – wie wär’s da mit einem kleinen Ortswechsel, nur ein paar Schritte weg vom Westportal des Schlosses hin zum Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals? Auch da lauert Stoff zum Zoff, seit Jahren.

Das Parlament hat bekanntlich die Absicht, ein Einheitsdenkmal zu errichten, der Bundestagsbeschluss stammt aus dem Jahr 2007. Das Denkmal steht bis heute nicht, nicht nach dem Wettbewerbssieg der „Einheitswippe“ des Büros Milla & Partner, nicht nach dem Ausstieg von Ko-Schöpferin Sasha Waltz, nicht nach dem Gezerre von Bund und Land, naturschutzbedingt wegen Fledermaus-Nistplatz-Sicherung, denkmalschutzbedingt wegen der Mosaike auf dem Sockel, kostenexplosionsbedingt (Steigerung von 10 auf 15 Millionen Euro), planungsstoppbedingt seit dem Machtwort des Haushaltsausschusses vor einem Jahr. Prompt beschlossen die Haushälter im Herbst, 18, 5 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, und zwar – Überraschung! – für die Wiedererrichtung der historischen Kolonnaden an eben dieser Stelle.

Am Donnerstag soll nun endlich Schluss sein mit dem Jein zum Denkmal in Erinnerung an die friedliche Revolution. Exakt um 18.40 Uhr will der Bundestag erneut über die „Bürger in Bewegung“ abstimmen – live zu sehen auf www.bundestag.de. Nach der jüngsten Debattenrunde in diesem Frühjahr (Denkmal-Initiatoren wie Wolfgang Thierse und Florian Mausbach versus Denkmal-Kritiker Kultursenator Klaus Lederer versus Schloss- und Kolonnadenfreunde) soll ein allerletztes demokratisches Machtwort gesprochen werden. Laut gemeinsamem Antrag von CDU und SPD sollen die Kolonnaden-Millionen für die begehbare Waage umgewidmet und der ursprüngliche Plenarbeschluss konsequent umgesetzt werden.

Umfrage: 43 Prozent wollen die Kolonnaden wiederhaben

Genauso hatten es Parlamentarier im April in Aussicht gestellt: grünes Licht für die kinetische Skulptur, auf dass der Architekt noch vor der Sommerpause mit der Detailplanung und 2018 mit dem Bau loslegen kann. Aber es wird keine Ruhe einkehren. Der Förderverein des Schlosses macht Stimmung für die Kolonnaden und veröffentlichte eine repräsentative Umfrage von Infratest Dimap. Nur 16 Prozent der Deutschen wünschen sich auf dem Sockel das Einheitsdenkmal, 43 Prozent wollen die Kolonnaden wiederhaben, 41Prozent haben keine Meinung dazu.

16 Prozent! Leben wir in Zeiten der Restauration? Wir wollen das Schloss, das Kreuz, die Kolonnaden zurück, am besten auch noch Wilhelm I. auf seinem Reiterdenkmal? Und Frank Castorf zum König krönen? Wie kleinlaut muss unsere Gegenwart sein, dass wir die Werte der Freiheit, der Toleranz und der Autonomie der Künste nur mit der Beschwörung der Vergangenheit verteidigen können.

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