Kultur : Das Biegen des Beins

Forum (2): Claire Denis’ Tanz-Doku „Vers Mathilde“

Silvia Hallensleben

Arme schwingen nach rechts und links, vorne und hinten, zerteilen und erobern den Raum. Füße trippeln, stampfen, trotten, marschieren. Die französische Choreographin Mathilde Monnier betreibt in Montpellier Tanztheater als praktische Forschungsarbeit an Körper und Raum. Und die Regisseurin Claire Denis, die vor Jahren mit „Beau Travail“ auf der Berlinale gefeiert wurde, dreht seit fast zwanzig Jahren Filme, denen man zu Recht Nähe zum Choreographischen nachsagt. Bei einem Tanzfestival sind die beiden neugierig aufeinander und ihre Arbeit geworden. Ein Jahr lang hat Denis dann in Montpellier gedreht, abwechselnd mit zwei verschiedenen Kamerafrauen und Kameras auf echtem Filmmaterial in Super Acht und Sechzehn.

Probenarbeit, Arbeitsbesprechungen, auch eine Soloeinlage von Monnier zu P.J. Harveys Musik. Aber: keine biografischen Hintergrundinformationen, keine erläuternde Projektbegleitung. Überhaupt der Verzicht auf Narration, im Theater wie im Kino. „Vers Mathilde“ ist von dem Fernsehsender Arte mitproduziert, verzichtet aber dennoch auf alle Konventionen des üblichen Künstlerporträts. Ins Deutsche übersetzt hieße der Titel wohl: Auf Mathilde zu. Und das ist Programm: Denn Denis‘ Film zeigt nicht nur Bewegung. Er ist auch selbst mehr Prozess als Ergebnis: Eine Annäherung – an eine Arbeitsweise, eine Künstlerin, eine Frau. Ein Work-in-progress: Dabei kommen Körper und Texturen manchmal auch sinnlich-stofflich zum Greifen nah. Und dann wird es einfach nur schön.

Heute, 16.30 (Delphi); morgen, 20.15 Uhr (Arsenal); 16.2., 12.45 Uhr (Cinemaxx 3); 17.2., 22 Uhr (Cinestar 8)

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