Kultur : Das Bochumer Tresenlesen-Duo im BKA

Norbert Tefelski

Improvisation war bereits maßgebender Plusfaktor, als das Bochumer Tresenlesen-Duo noch Fremdautoren mit seinem körperbetonten-Rezitations-Touch adelte. Spontane Individual-Ausfälle, mitunter umfangreicher als der eigentliche Text, bereichern nach wie vor die bissigen Kopf- und Hackenschuss-Shows - nur, dass mittlerweile ausschließlich selbstverfaselte Prosa zum Vortrag gelangt. In Knotentest und Strahlerküsse befassen sich die Quasselanten mit Kindheits- und Jugenderinnerungen (BKA, noch heute und morgen, 20 Uhr). Frank Goosen, mindere Kopfbehaarung, dafür mehr Körperfülle, flieht nach vorn: Seine Mutter habe ihm in den siebziger Jahren einen Keil in die Hose genäht - oben rum. Durch seine Erzählungen aus der Zeit, da der Berufswunsch Hustinettenbär in ihm keimte, weht Romantik, Wehmut gar, ummäntelt mit dem derben Humor des polnischstämmigen Pütt-Adels. Mehr Ironie als Zynismus - insofern treffliche Ergänzung des cholerischen Wortbildhauers und Schachtelsatzarchitekten Jochen Malmsheimer. Sein Kampf gegen eine salatschatzende Molluskeska ist so zwerchfelltreffsicher wie die gemeinsamen Bühnenmomente des unbedingt erlebenswerten starken Teams.

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