Kultur : Das Boot ist toll

Mnozil Brass verzaubern in der Komischen Oper

Carsten Niemann

Wer hätte gedacht, dass die Operette ausgerechnet von Blechbläsern wiederbelebt werden würde? Mnozil Brass heißen die Helden, die dies Meisterstück vollbrachten. Nach dem Erfolg ihrer Brass-Operette „Das trojanische Boot“ bei der RuhrTriennale sind die Wiener nun zu Gast an der Komischen Oper Berlin.

Zugegeben: die Gesichtszüge des einen oder anderen unvorbereiteten Opernbesuchers frieren kurz ein, als die sieben Herren nach einer fulminanten Eröffnungsfanfare ohne Vorwarnung in die Rolle eines antiken Chors schlüpfen. Um darauf ihre Geschichte vom trojanischen Boot nicht etwa bloß zu erzählen, sondern um sie gleichzeitig virtuos blechzublasen, zu agieren, a cappella wie solo zu singen, zu tanzen und für schaurigschöne Momente gar blockzuflöten. Wobei die Poesie zu dem köstlichen Nonsensspektakel nach dem Erfolgsrezept so manches Zwanzigerjahre-Hits gebastelt ist: Der Text wirkt, als habe ihn jemand in geistreicher, aber eingeblödelter Gesellschaft weinselig erdacht und am nächsten Morgen den Mut gehabt, kein Wort daran zu ändern.

Mit professioneller Hilfe eines kaltblütigen Regisseurs (Bernd Jeschek) und dem sich schon allein in den herrlichen Minen äußernden natürlichen Komödiantentalent der Musikmimen wurde das Ganze in Szene gesetzt. Und mit einer virtuos arrangierten Musik versehen, die sich nicht nur hemmungslos im Fundus der Musikgeschichte bedient, sondern dabei auch manche Wahrheit über Stile, deren Liebhaber und ihre Interpreten verrät: Da gehen Sandalenfilmfanfaren nahtlos in Wagnerchöre über, hotten enthemmte Jazzposaunisten steppend über die Bühne, um gleich darauf das Podium frei zu machen für Brunftschreie ausstoßende Volksmusikanten. Besser hat man sich im ehemaligen Operettentheater an der Behrenstraße auch früher nicht amüsiert!

Komische Oper, noch einmal am 17.11.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben