Kultur : Das Buch zum Haarschnitt und tausend Bussis

Heidemarie Mazuhn

"Marlene" alias Judy Winter, Eleonore Weißgerber, Angelika Milster, Anouschka Rienzi und Sabine Christiansen gehören zu jenen Damen der besseren Gesellschaft, mit denen Udo Walz regelmäßig Bussis austauscht. Allerdings treffen sie sich selten in so großer Zahl wie am Montag in der Bar jeder Vernunft, wo der allgegenwärtige Friseur die Werbetrommel rührte für "Waschen, Schneiden, Leben". So heißt sein eben erschienenes Buch, ein Ratgeber zum Thema "Wie werde ich berühmt". Er ist es - zum Leidwesen zugereister Damen aus der Provinz, die es bedenklich finden, in Berlin auf der Einladungsliste zusammen mit oder gar hinter einem Friseur zu stehen. Möglicherweise profitieren aber auch die Gäste künftig von den Walz-Erfahrungen; sie durften das Buch mit nach Hause nehmen.

"Figaro hin, Figaro her" mag das Motto des Meisters sein. Allerdings stammt es aus einer Operette um die Hochzeit eines Friseurs. Von einer solchen Eheschließung aber kann bei ihm keine Rede sein, zumal die Zahl der Bussi-Spenderinnen im partytrunkenen Berlin täglich ansteigt. Auch Anja Hauptmann, die hochgewachsene Enkelin von Gerhart Hauptmann, gehört dazu, seit es sie vor wenigen Jahren an die Spree verschlagen hat. Ein weiteres Mitglied der Walz-Gemeinde ist Danièle Thoma, die Immer-noch-Ehefrau von Helmut Thoma, der angeblich im Mai seiner Neuen Ja sagen will, aber noch nicht einmal die Scheidung eingereicht haben soll. Gerhard Meir, Udos Münchener (und Berliner) Konkurrent um berühmte Haare und Bussis, ließ sich dagegen nicht blicken. Vielleicht saß ihm auch der Vorfall am Rande der Berlinale noch in den Knochen: Milla Jovovich hatte erst ihn und dann Udo gebucht - oder war es umgekehrt?

Udo Walz erwuchs noch im Spiegelzelt neue Konkurrenz - auf der Bühne versuchte sich erstmals auch Angelika Milster mit einem Kamm, freilich, ohne an einen Jobwechsel zu denken. Dass Otto Sander dabei war, versteht sich von selbst: 1. ist er (fast) immer dort, und 2. bei Udo sowieso. Der zeigte einmal mehr, dass er als Schwabe weiss, was zu seinem Geschäft gehört - klappern. Ihm selbst ist die Gunst der Prominenz angeblich völlig wurscht, wie im Buch zu lesen ist. Ganz wurscht aber wohl doch nicht, denn er freute sich sichtlich, dass unter den über 300 Gästen seiner Buchpremiere sich auch der isländische Botschafter Ingimundur Sigfusson mit seiner Frau wohl fühlte. Auch Shawne Borer-Fielding feierte nicht zum ersten Mal mit ihrem Figaro gemeinsam. Die Frau des Schweizer Botschafters präsentierte sich im Spiegelzelt barbusig hollywoodlike. Wer nachts dessen Einladung zum Absacker annahm, soll hier offen bleiben. Der Ort nicht - es ist der zweite Wohnsitz des Wahlberliners aus Stuttgart - die Paris Bar.

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