Kultur : Das Diktat der Liebe

LENNART PAUL

"Tot ziens" der Holländerin Heddy HonigmannVON LENNART PAULDie Annäherung geht wortlos vor sich.Auf der Eisbahn treffen sie sich und sehen sich zunächst nicht.Er zieht dicht hinter ihr seine Bahnen, und langsam bringen beide ihre Bewegungen in Gleichklang.Während der Heimfahrt radeln sie nebeneinander.Beim Warten an einer Ampel legt er seine Hand auf ihre.Wie selbstverständlich geht er mit in ihre Wohnung.Dort läßt sich die Leidenschaft gerade noch zurückhalten, bis beide das Treppenhaus erreichen.Nach der Ekstase sprechen sie zum ersten Mal miteinander.Er heißt Jan, sie Laura.Er ist Belgier - und verheiratet.Was jetzt folgt, sind die hilflosen Versuche, der entfesselten Gefühle Herr zu werden.Jan möchte verdrängen und sein kanalisiertes Leben zurückgewinnen.Laura möchte einsehen, daß dieses Verhältnis keine Chance hat.Aber jeder Versuch, den anderen loszulassen, führt nur dazu, daß beide sich heftiger ineinander verkrallen."Tot ziens" (Bis bald) ist keine Komödie und erzählt nicht von Beziehungen.Der Film schert sich kaum um das Dreieck aus Mißtrauen und Eifersüchteleien, das zwischen Ehefrau, Mann und Geliebter entsteht."Tot ziens" erzählt von der Liebe.Und von der Unmöglichkeit, unter ihrem Diktat zu leben.Die holländische Filmemacherin Heddy Honigmann gibt dabei jede Distanz auf.Sie klebt sich an ihre Hauptfiguren, sie liest ihnen jede Gefühlsregung aus Gebärden und Mimik heraus.Trotzdem gelingt es ihr auf wunderbare Weise, dezent zu bleiben.Mit Guy van Sande als Jan, vor allem aber mit Johanna ter Steege als Laura verfügt "Tot ziens" über zwei Hauptdarsteller, deren Gesichter und Körper im selben Augenblick mehrere Geschichten erzählen können: vom Wunsch zu bleiben und vom Wunsch zu gehen. Im Kreuzberger fsk-Kino (OmU)

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