Kultur : Das Ende der Mir: Meisterwerk mit Mängeln

R.K.

Nach 15 Jahren wird die Raumstation Mir bestattet - auf hoher See. Wahrscheinlich am kommenden Freitag fällt sie in den Südpazifik. Eine Chronik:

20.2.86 Vom Weltraumbahnhof Baikonur aus wird das Zentralmodul einer neuen sowjetischen Raumstation ins All geschossen. Die "Mir" ("Frieden") ist die erste Raumstation, die aus mehreren Modulen im All zusammengefügt wird.

13.3.86 Mit einer Sojus-Rakete fliegt die erste Besatzung - Leonid Kizim und Wladimir Solowjew - zur Mir. Während ihres 125 Tage währenden Aufenthalts statten sie auch der noch im All kreisenden Vorgänger-Station Saljut 7 einen Besuch ab.

18.7.90 Die erste große Panne: Wegen eines technischen Defekts an der Einstiegsschleuse kommt der Kosmonaut Alexander Balandin nach Außenarbeiten nur mit knapper Not zurück in die Raumstation.

17.3.92 Klaus Dietrich Flade fliegt als erster deutscher Astronaut zur Mir. Insgesamt hat die Raumstation in den 15 Jahren ihrer Existenz 125 Kosmonauten und Astronauten aus zwölf Ländern beherbergt.

22.3.95 Nach 439 Tagen an Bord der Mir kehrt der russische Kosmonaut Valerie Wladimirowitsch Poljakow zur Erde zurück - er stellt damit den noch heute gültigen Rekord für Langzeit-Aufenthalte im All auf.

29.6.95 Erstmalig dockt eine amerikanische Raumfähre an die Mir an. Fast 20 Jahre ist es her, dass sich das letzte Mal amerikanische und russische Astronauten im All trafen. In der Folge werden russisch-amerikanische Gemeinschaftsflüge zur Routine - eine Vorübung für den Aufbau der ISS.

18.5.96 Mit dem Andocken des Erderkundungsmoduls "Priroda" ("Natur") ist die Mir nach zehn Jahren endlich komplett. Sie besitzt neben dem Hauptmodul nun fünf Forschungseinheiten, ein Andockmodul sowie zahlreiche Antennen- und Solarzellen-Anlagen.

23.2.97 Beinahe-Katastrophe: Ein Sauerstoff-Generator geht in Flammen auf. Nach 14 Minuten können die Raumfahrer - vier Russen, ein Amerikaner und ein Deutscher - den Brand mit Hilfe von drei Feuerlöschern und einem nassen Handtuch ersticken.

25.6.97 Die nächste Fast-Katastrophe: Ein unbemannter Progress-Frachter rammt beim Andockmanöver mehrfach die Station. Vier Sonnenkollektoren und das Forschungsmodul "Spektr" ("Spektrum") werden schwer beschädigt.

17.2.00 Eine kommerzielle Zukunft für die Mir? Das internationale Konsortium MirCorp least die Station von Russland - geplant sind unter anderem Touristenflüge zur Mir zum Preis von etwa 20 Millionen Dollar. Der amerikanische Geschäftsmann Dennis Tito ist bereit, diesen Preis zu zahlen und beginnt ein Kosmonauten-Training in Baikonur.

16.11.00 Da MirCorp die vereinbarten Zahlungen nicht einhalten kann, beschließt das russische Kabinett nach wochenlangem Tauziehen, die Mir gezielt zum Absturz zu bringen. Das russische Raumfahrtbudget reicht nicht aus, um neben der Beteiligung an der ISS noch eine eigene Station zu betreiben.

23.3.01 Mit Hilfe des Antriebs eines Progress-Schiffs soll die Mir zum Absturz über dem Südpazifik gebracht werden. Die Station ist zu groß, um vollständig in der Atmosphäre zu verglühen - rund 40 Tonnen Trümmer stürzen voraussichtlich in den Ozean.

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