Kultur : Das "Ensemble Weill..." im Prater

Aggression liegt in der Luft. Die Blicke sind eisern und kalt. Eine Knarre liegt an der Schläfe der Frau. Kurzes Klicken, kein Schrei und kein Tod. Es ist nur ein Zeitvertreib. Brecht / Weills "Mahagonny Songspiel" führt die sechs Protagonisten des "Ensemble Weill..." in die Stadt der Exzesse. Dort hoffen sie auf ein Leben prall voll Genuß: Weiberfleisch und maßlos Whisky statt ständigem Frust. Aber das Leben ist auch dort nicht besser. Auf der Hinterbühne des Prater dokumentiert sich in den namenlosen Typen Brechts Gesellschaftsbild: Gewalttätig, roh, vom Geld regiert. Auch im zweiten Songspiel des Abends "Happy End" bleibt das Wesen des Menschen gleich: Klappmesser regeln das Aufeinandertreffen der Leute, es regiert der Kampf um die Dollarnoten. Im "Mahagonny Songspiel" tritt die Gruppe noch gemeinsam auf, sucht gemeinsam nach Befreiung - bei Regisseurin Anne Cornelia Just in extremer Dichte der destruktiven Emotionen. In "Happy End" (Regie: Oliver Munk) zerfällt die Gruppe in Einzelkämpfer, die skrupellos morden. Die kahle, enge Bühne potenziert die angestaute Spannung. Das "Ensemble Weill..." feierte die Premiere dieser Inszenierung schon im Mai im Saalbau Neukölln und gastiert jetzt bei dem Kulturfestival "regionale kapitale 2" in Prenzlauer Berg. Die Idee, die beiden Songspiele an einem Abend aufzuführen, hatte Kurt Weill schon 1932, doch erst mit dieser Aufführung wird sein Wunsch realisiert. Die sechs Gesangsstudenten der Hanns Eisler-Musikhochschule bestechen mit außergewöhnlicher Präsenz: der emotionslose Blick, die aggressionsgeladene Körperhaltung. Die Stimmen der Sänger changieren gekonnt zwischen Gesang und Sprache und finden so genau den rauhen Charme des Brechtschen Gesangs. Der musikalische Leiter Ari Benjamin Meyers vermittelt zwischen dem von Bläsern dominierten Orchester am Seitenrand der Bühne und den Sängern. Eine herausragende Ensembleleistung. cod

wieder am 24. u. 25. Juli auf der Hinterbühne des Prater, 20 Uhr

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