Das ewige Comeback im Pop : New Order oder die neue Unordnung

Im Pop zu sterben ist praktisch unmöglich geworden. Auf jeden Rücktritt und jede Bandauflösung folgen Comebacks und Wiedervereinigungen. Bestes Beispiel: New Order.

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Prinzen der Melancholie: Joy Division.
Prinzen der Melancholie: Joy Division.Metrolit Verlag

Wer im Popmusik-Business als was auch immer arbeitet, kennt Meldungen wie diese zur Genüge und wundert sich nicht weiter drüber: „Band XY feiert Bühnen-Comeback“, „Band YZ hat sich wiedervereinigt und will neues Album einspielen“, „Band XYZ meldet sich nach soundso viel Jahren mit einem neuen Album zurück“, „Band Z veröffentlicht lang erwartetes ,Lost Album’“. Im Pop zu sterben ist praktisch unmöglich geworden. Auf jeden Rücktritt und jede Bandauflösung folgen Comebacks und Wiedervereinigungen, und selbst ein wirklicher physischer Tod heißt noch lange nicht, dass es auch mit neuen Albenveröffentlichungen ein Ende hat, sagen wir von 2 Pac und Notorious B.I.G. bis zu Michael Jackson.

Das Problem so einiger Untoter aber ist, dass man nie so recht weiß, in welchem Vitalitätsstadium sie sich eigentlich gerade befinden. Womit wir zu New Order kommen. Diese Band ging schon 1980 aus der Kultformation Joy Divison („Love Will Tear Us Apart“ etc.) hervor, nachdem deren Sänger Ian Curtis sich das Leben genommen hatte. Nach typischen Achtziger-Synthie-Hits wie „Blue Monday“, „True Faith“ oder „Bizarre Love Triangle“ waren New Order schon in den neunziger Jahren nicht mehr ganz leicht zu durchschauen, weil die Bandmitglieder sich gern in anderen, neugegründeten Bands wie Monaco, Revenge, Electronic oder The Other Two austobten.

Aus New Order wurden zwei New Order

Richtig schwer jedoch wurde es, als der Bassist Peter Hook 2007 New Order auflöste, Sänger und Gitarrist Bernhard Sumner und Drummer Stephen Morris davon aber nichts wissen wollten. Man traf sich vor Gericht, es ging um den Namen. Diesen Rechtstreit gewannen Sumner und Morris; Peter Hook dagegen tingelt mit „seinen“ New-Order-Songs und einer Band namens The Light durch die Lande (am 4.10. übrigens auch wieder in Berlin, im K 17). Man könnte also sagen, dass aus New Order zwei New Order wurden. Wobei sich das mit neuen New-Order-Alben, die dann auch unter diesem Namen erscheinen, noch einmal komplizierter darstellt.

Seit dem Split 2007 ist ein einziges neues veröffentlicht worden, 2013, mit „Lost Sirens“ betitelt. Dieses enthält Restmaterial des letzten offiziellen New-Order-Albums „Waiting For The Sirens’ Call“ von 2005, damals noch mit Peter Hook. Will heißen: Peter Hook ist auf „Lost Sirens“ auch noch am Bass zu hören. Wer Neues von New Order ohne Hook, aber mit Sumner und Morris hören wollte, musste auf ein Album einer Band namens Bad Lieutenant zurückgreifen.

Und schon wieder wird zurückgekehrt

Alles klar? Nein? Macht nichts. Denn tatsächlich hat jetzt Daniel Millers legendäre Plattenfirma Mute Records verkündet, New Order verpflichtet zu haben. Miller freut sich auf „eine spannende und interessante Zukunft“; auch Bernhard Sumners New Order können sich „keinen besseren Ort“ vorstellen und dass der Vertrag mit Mute wie ein „Nachhausekommen“, wie eine „Rückkehr zu den unabhängigen Wurzeln“ sei. Nur wann tatsächlich ein neues New-Order-Album kommt, ja, und ob überhaupt, davon war keine Rede. Die Hauptsache aber ist ja auch: New Order leben. Sie wird es ewig geben.

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