Kultur : Das Feuerwerk der Sprache

Leuchtende Konzeptkunst in der Berliner Galerie Anselm Dreher

Carsten Probst

Am Anfang steht der Kunstbetrieb. Mit zwei kleinen Horizontalen aus grünem Neon markiert Jonathan Monk unter dem Titel „The Difference Between You and Me“ sein Körpermaß und das des Galeristen. Daneben wacht die Gipsfigur von Anselm Dreher im Verhältnis 1:7,7 über dem Eingangsbereich. Die Konzeptkünstlerin Karin Sander hat das Prinzip der „Bodyscans“ entwickelt: kleine dreidimensionale Porträts, die bei einer Firma in Kaiserslautern jeder von sich für 3000 Euro anfertigen lassen kann. Sechs Sekunden dauert das Scannen der Person, die anschließend Schicht um Schicht als plastische Figur „ausgedruckt“ wird. Es macht Sinn, dass Dreher die eigene Figur ins Zentrum dieses Raumes stellt, ist die Ausstellung unter dem Titel „The Artist’s Beautiful Language“ doch so etwas wie ein Kommentar zum Status quo der Konzeptkunst, die der Galerist seit nunmehr fast vier Jahrzehnten begleitet.

Vor allem geht es ihm diesmal um Sprache und ihren Widerschein im Bild. Bei der Videoinstallation „Great Expectations“ von John M. Armleder (44000 Euro) flirren nächtliche Aufnahmen von einem Feuerwerk am Genfer See über den Monitor, die durch fortwährende Kameraschwenks zu leuchtenden, schriftähnlichen Linien auseinander gezogen werden. Der Monitor ruht auf einem silbernen Rollwagen, dessen Form die geometrische Reinheit eines Carl Andre beschwört, daneben steht eine Yuccapalme, die mit ihren lang gezogenen Blättern die Fontänen des Feuerwerks aufnimmt und sie gleichsam als deren Urbild erscheinen lässt, als gelte es, Ernst Haeckels Pathos von der „Natur als Künstlerin“ in den schnöden Kanon der Wohnzimmerkultur zu übertragen. Gegenüber zeugt ein „Statement“ von Lawrence Weiner (86000 Euro) von der gelassenen Weltsicht des Künstlers: „Dust and Water put Somewhere/Between the Sky and the Earth.“, zwischen Himmel und Erde nur Wasser und Staub.

Im anderen Raum leuchten Maurizio Nannuccis typisch vertikal gestreckte, große Neonbuchstaben „Fiat Lux“ (50000 Euro) , wodurch die Wandinstallationen von Thomas Locher, von denen sich eine unter dem Titel „ON/OFF“ passenderweise mit dem spurlosen Löschen von Bilderinnerung auseinander setzt, buchstäblich in den Schatten gestellt werden.

Galerie Anselm Dreher, Pfalzburger Straße 80, bis 22. Dezember; Dienstag bis Freitag 14-18.30 Uhr, Sonnabend 11-14 Uhr.

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