Kultur : Das Fließband stand nicht still

Ich habe im Werk gearbeitet, wo wir Glühbirnen hergestellt haben. Als die Nachricht kam, habe ich den Feierabend herbeigesehnt, aber ich bin auf der Arbeit geblieben. Viele andere sind einfach gegangen. Aber die Pflicht war ja da. Das hatte sich ja nicht geändert. Bei der Fließbandarbeit hätte das großen Schaden angerichtet, wenn wir alle auf einmal gegangen wären. Erst nach der Nachtschicht sind wir dann rüber. Ich bin mit Kollegen zum Ku’damm gefahren und habe mich umgeschaut. Es war das erste Mal, dass ich drüben war. Von meinem Begrüßungsgeld habe ich mir eine Currywurst gekauft. Ich war dann ganz enttäuscht, eine gebratene Bockwurst zu kriegen. Nachher war meine Frau sauer, weil ich allein rübergefahren bin. Die hatte alles gar nicht mitbekommen.

RALPH WOELK (48)

Tiefbauer aus Berlin-Marzahn

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