Kultur : Das Geheimnis der Achtziger musst du auf dem Dancefloor suchen

TECHNO

Volker Lüke

Ein knalliger Beat, treibender Pump-Bass, schrille Sandpapiergitarre, nervöses Klopfschlagzeug, quäkendes Saxofon und ein schleifender Gesang, der die Silben bis zum Zerreißen ausquetscht und sich tatsächlich anhört wie das Wimmern von Wuschelkopf Robert Smith von The Cure, den man in eine House-Disco eingesperrt und dann vergessen hat. The Rapture aus New York bewegen sich zwischen verrückt-entrücktem Vergnügen, unvollendeten Pophymnen und echter Nerverei. Ihr Debüt-Album „Echoes“ präsentiert eine ungeniert zusammengeklaute Underground-Musik ohne Stilbarrieren, die an die Anfänge der Achtzigerjahre erinnert, als man nach dem Funk im Punk suchte. Mit ihrem Retro-Stil-Mix haben es die Überflieger auf die Plattenteller von wichtigen House- DJ’s geschafft, durften in diesem Sommer als erste Live-Band auf der legendären Technoparty „Manumission“ auf Ibiza auftreten und konnten für ihre Tournee den bayrischen Platten-Gigolo Helmut Geier beziehungsweise DJ Hell gewinnen, der ja bekannt ist für sein Faible für Achtzigerjahre-Sounds. Nun steht „das gute Gewissen der deutschen Techno-Szene“ (Spex) im Knaak , um die Stimmung mit einem nostalgischen DJ-Set anzukurbeln, wobei er auch auf alte Smash-Hits von Wire, Suicide, Television Personalities („Part Time Punks“!), Cabaret Voltaire und The Pop Group zurückgreift, bevor The Rapture, wie man so sagt: das House rocken. Mit krachenden, zerhackten Funk-Rhythmen und leicht dissonanten Riff-Attacken, unterlegt von theatralischen Klagen und metallischen Hieben. Ein Pop-Ausbruch, der aushöhlt, wirbelt und scheuert und sich in manierierte Bass-Linien verirrt, bevor am Ende der Party-Knaller „House Of Jealous Lovers“ erschallt. Als letzte Zugabe. Dann ist es wieder Zeit für DJ Hell und seine tribalistisch klöppelnden Soundwellen. Becks To The Future! Jeder hatte seinen Spaß an diesem Abend.

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