Das Gesangsquartett Adoro im Tempodrom : Applaus Applaus

Pop meets Classic: Nach deutschlandweit 21 Konzerten haben die vier Jungs von Adoro ihre Tour „Nah Bei Dir“ am Mittwochabend im Berliner Tempodrom  mit einem herausragenden Spektakel gekrönt.  

Marie Stumpf
Das ist Adoro: Assaf Kacholi, Jandy Ganguly, Peter Dasch und Nico Müller (v.l.n.r.)
Das ist Adoro: Assaf Kacholi, Jandy Ganguly, Peter Dasch und Nico Müller (v.l.n.r.)Foto: Concertbuero Zahlmann

Allein der Auftakt: Der weiße Vorhang, auf dem Lichtsprenkel tanzen, ist noch geschlossen. Mitten in die Gespräche der Zuschauer hinein ist das lauter werdende Stimmen der Instrumente zu vernehmen. Dann – das Licht geht aus. Die Gespräche verstummen, Jubelrufe werden laut. Die Musik setzt ein, der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick auf das spielende Orchester frei. Tragend und dramatisch ist die Musik. Wie beiläufig kommt der erste Sänger auf die Bühne: Das Konzert startet mit „Wundervolle Welt“, eine deutsche Übersetzung von Louis Armstrongs Song „What a wonderful world“, und auch das erste Lied auf Adoros aktuellem Album „Nah Bei Dir“. Ihr Auftritt ist so perfekt in die Musik integriert, als würde er einfach dazu gehören. Ein Paradebeispiel für den gesamten Abend, denn an diesem Konzert stimmt einfach alles: Das deutsche Gesangsquartett Adoro (ital. für „verehren“), das 2007 gegründet wurde, interpretiert bekannte Pop- und Rocksongs im klassischen Stil. Die klaren Baritone von Nico Müller und Jandy Ganguly harmonieren wunderbar mit dem herrlich-dunklen Bassbariton von Peter Dasch. Herausragend ist der Tenor von Assaf Kacholi, der mühelos die höchsten Töne meistert, glockenhell, ein warmer voller Klang, der sogar Kacholis eigenes Lächeln überstrahlt.

Können statt Kitsch

Die vier ausgebildeten Opernsänger präsentieren sich auf der Bühne frisch, frech und weniger kitschig als in ihren Musikvideos. Hundertprozentig präsent strahlen sie eine Power aus, die umhaut. Sanfte Solo-Parts werden zu einem kräftigen Quartett, wenn die Jungs nacheinander einsetzen und sich dadurch wunderbar gegenseitig ergänzen. Stark, dann wieder sachte, aber stets präzise. Jeder Konsonant ist klar artikuliert, jedes „t“ sitzt perfekt.

Vielleicht wäre das fast schon langweilig, wenn da nicht die unglaubliche Unterhaltungsfreude der Vier wäre, die den Zauber, den die Lieder hinterlassen, zwischenzeitlich dämpfen. Das sorgt für Symapthie, statt für Kitsch und Wehmut. Beim Lied „Das Meer“ („Beyond the Sea“ von Bobby Darin) stehen vier Barstühle auf der Bühne. Verschmitzt lächelnd treten die Sänger darauf zu, wenden sich wieder den Zuschauern zu und entledigen sich à la Chippendales synchron ihrer schwarzen Jacketts. Die anschließende Tanzeinlage wird dann mit der nötigen Portion Selbstironie absolviert – ein wirklicher Genuss, der zusätzlich gegen die Unnahbarkeit der Opernsänger angeht und Berührungsängste verschwinden lässt. Da stört es gar nicht, dass Kacholi einmal kurz seinen Einsatz verpasst. Das Lächeln ist sofort wieder angeknipst und weiter geht es mit Peter Fox’ „Haus am See“. Anschließend bespaßt Nico Müller das Publikum mit einer kurzweiligen Nummer am Piano, er wolle sich „mal ausprobieren“, sagt der ehemalige Klavierstudent.

Von Max Raabe, über Nena bis Andreas Bourani

Spitzbübisch präsentieren Adoro in einem nahtlosen Übergang Max Raabes Ballade „Küssen kann man nicht alleine“, samt Süßholzgeraspel mit Publikum, Pianistin und Geigerin. Ihre interaktive Seite zeigen die Vier dann, als sie sich während des Titelsongs „Nah Bei Dir“ von der Bühne entfernen, eine Gelegenheit für die Fans schnell ein paar Fotos mit den Idolen zu schießen. Die Sänger nehmen’s gelassen und der Text „Nah Bei Dir“, der gefährlich an Kitsch grenzt, geht dabei glücklicherweise etwas unter. Ein besonderes Highlight ist „Ich atme ein“ (Roger Cicero), herrlich gesungen und einfach nur schön. Und mit Nenas „Leuchtturm“ und dem WM-Song „Auf uns“ von Andreas Bourani haben sie dann auch die letzten Skeptiker für sich gewonnen. Der Saal tobt. Adoro bekommt Standing Ovations und belohnt sein Publikum mit zwei Zugaben. Drei Stunden ziehen schnell vorüber bei einer Show, die Gesang mit Comedy mischt – und dabei auch genügend Raum für die Klassik lässt. Ein überaus gelungener Abschluss der Deutschlandtournee, mit vier Talenten, die ihren Applaus redlich verdient haben.   

 

 

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