Kultur : Das Geschenk

Das schönste Geschenk zum 70. Geburtstag, den der Historiker Eberhard Jäckel an diesem Dienstag begeht, hat ihm vermutlich der Deutsche Bundestag gemacht. Die Publizistin Lea Rosh und er sind die treibenden Kräfte im Förderkreis für die Errichtung eines Mahnmals für die ermordeten Juden Europas gewesen, die das Parlament mit seinem Beschluß vor vier Tagen zu seiner Sache gemacht hat. Jäckel soll es gewesen sein, so Lea Rosh heute, der zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, daß es ein solches Denkmal in Deutschland nicht gebe. Die mit der Publizistin gedrehte Fernsehdokumentation "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" über die Juden-Vernichtung zählt zu den Arbeiten, die ihn auch einem breiteren Publikum bekannt gemacht haben; sie hat ihnen beiden 1990 den Geschwister-Scholl-Preis eingebracht. Jäckel gehört zu den Wissenschaftlern, die jenes politische Engagement der Intellektuellen in den sechziger Jahren mittrugen, das das politische und auch das akademische Klima in der Bundesrepublik veränderte; er war Mitbegründer der Sozialdemokratischen Wählerinitiative und einer der nahen Unterstützer der Präsidentschaft Gustav Heinemanns. Da hatte er schon mit seiner Analyse "Hitlers Weltanschauung", erschienen 1969, wissenschaftliches Aufsehen erregt. Hitler und das Dritte Reich standen auch künftig im Mittelpunkt seiner Forschungen und Veröffentlichungen. Seit 1967 Professor für neuere Geschichte an der Universität Stuttgart, hat sich Jäckel aber immer auch bei anderen zeithistorischen Debatten zur Wort gemeldet - einer jener Historiker, die die Öffentlichkeit nicht scheuten, sondern suchten, und publizierend und diskutierend zum Wandel des deutschen Geschichtsbildes beigetragen haben. "Das deutsche Jahrhundert. Eine historische Bilanz" heißt sein letztes Buch: Es ist der Versuch, sein Bild dieser Geschichte zu geben.

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