Kultur : Das Glück des Harfners

KLASSIK

Ulrich Pollmann

Süßes Gift bekommen die Besucher des Konzerthauses vom Ensemble Hespèrion XXI in die Ohren geträufelt. Mit feinster Aufmerksamkeit auch noch für den letzten, den unwichtigsten, den leisesten Ton entzückt das 1974 gegründete Ensemble die Hörer. Höchste Klangsensibilität, gepaart mit diesem unvergleichlichen Hauch selbstverliebter Manieriertheit ist so delikat nur in der Alten Musik zu finden. Hier fehlt noch die große, dramatische Geste der Klassik, das Individuum muss nicht heroisch sein. Mit feiner Hand rührt Pedro Estevan an seine Trommeln, der kleine Finger rechts streift noch kurz das Fell, während Zeige- und Mittelfinger links zwei Schellen sanft zusammenschließen. Andrew Lawrence-King strahlt vor Glück mit seiner Harfe und begeistert sich und seine Hörer mit Improvisationen und feinsten Klangvarianten. Jordi Savall, Kopf und Gambist des Ensembles, wirkt dagegen streng und zupackend, wenn er durch die Saiten fährt. Und Montserrat Figueras legt über das gestenreich agierende Ensemble ihren edlen Sopran.

Leider wurde das Konzert zum Blindflug, denn das Programmheft ließ jede Information zu den Stücken vermissen. „Ojos pués me desdenyais“ von José Marin? Ist vielleicht nicht jedem geläufig. Und so manches muss man auch nicht kennen, allzu folkloristisch und anspruchslos waren Teile des Programms. Aber auch Höhepunkte gab es: Marin Marais’ großer Variationszyklus „Couplets de Folies“ ist immer ein Renner, Lieder von Sebastian Durón und Juan Hidalgo bieten Montserrat Figueras viel Raum für ihre anrührende Stimme, Tarquinio Merulas Schlafgesänge sind faszinierende Programmmusik. Drei Zugaben erkämpfte sich das tobende Publikum.

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