Kultur : Das Glück in großen Scheinen

Der Pate bricht alle Rekorde: In New York wurde der Nachlass von Marlon Brando versteigert

Christian Schröder

Von seinem Beruf hat Marlon Brando nicht allzuviel gehalten. „Filmstars sind keine Künstler“, teilte der Filmstar 1979 dem „Playboy“ in einem Interview mit. „Schauspielerei funktioniert wie Prostitution. Eine Prostituierte kann dir Momente des größten Glücks bescheren und dir weismachen, dass das Nirvana gerade mit dem 2-Uhr-Flugzeug gelandet sei.“ Den Ruf, der größte männliche Schauspieler seiner Ära zu sein, hat Brando zeitlebens zu bekämpfen versucht: mit gezielten Provokationen wie der Ablehnung seines Oscars für den „Paten“ (1972) „wegen der Unterdrückung der Indianer in den USA“ und mit vielen schlechten Filmen, in denen er immer lustloser auftrat. Die berühmte Lakonie seines Ausdrucks hatte der einstige Method-Acting-Darsteller zuletzt so weit reduziert, dass die Präsens in seinem letzten Film „The Score“ (2001) eigentlich nur noch aus bräsig-walfischartigem Im-Bild-Sitzen bestand.

An Filmen, versicherte Brando, würden ihn bloß Zahlen interessieren: die auf seinem Scheck. „Schauspielerei ist eine verdammt gute Art, den Lebensunterhalt zu verdienen“, sagte er. „In welchem anderen Beruf wird dir so viel gezahlt, dass du dir eine eigene Insel“ – seit 1966 besaß er das kleine Eiland Tetiaroa im Pazifischen Ozean – „kaufen und dort den ganzen Tag auf dem Arsch sitzen kannst?“ Über den Erlös aus der Versteigerung seines Nachlasses hätte sich der Schauspieler, der 1. Juli 2004 im Alter von 80 Jahren gestorben war, garantiert gefreut. Als am Donnerstag bei Christie’s in New York rund 330 Gegenstände aus Brandos Besitz unter den Hammer kamen, wurden fast 2,4 Millionen Dollar erzielt.

Ein Drehbuch zum „Paten“ mit handschriftlichen Notizen des Hauptdarstellers brach alle Rekorde: Es wechselte für rund 320000 Dollar den Besitzer, fast 80000 mehr als 1996 ein Buch zu „Vom Winde verweht“ erlöst hatte, das bislang teuerste Filmskript der Welt. Ein Brief, in dem Mario Puzo, Autor der Film-Vorlage, Brando beschwört, die Rolle des Don Corleone zu übernehmen – von Christie’s auf bescheidene 1200 Dollar geschätzt – wurde einem Privatsammler aus Florida für 132000 Dollar zugeschlagen. Und selbst eine Kollektion von rund einhundert Theater- und Filmbüchern mit Anmerkungen des Darstellers – auf 800 bis 1200 Dollar taxiert – brachte 63000 Dollar. „Es macht demütig, wenn Fans so viel Geld ausgeben, um ein Stück Erbe meines Vaters zu erhaschen“, freute sich Brandos Sohn Miko nach der Auktion. Was er nicht sagte: Es macht auch reich.

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