Kultur : Das Grips-Theater spielt den Klassiker wieder

Rüdiger Schaper

Ist es eine Geschichte von Brüderchen und Schwesterchen, die sich immer und ewig zanken, oder von zwei Großstadt-Familien, in denen mal die Mutter, mal der Vater irgendwie abhanden kam? Ist es eine Geschichte für Kinder, die nicht einschlafen können, weil sie im Dunklen Gespenster sehen? Oder ist es die Geschichte eines Jungen, der sich nicht nach Hause traut?

All das - und noch viel mehr. "Max und Milli" ist zuerst einmal eine tolle Erfolgsgeschichte. Volker Ludwigs Klassiker gehört zu den berühmtesten und meistgespielten Stücken, die je von einer Berliner Bühne in die Welt gegangen sind. Viele Kinder rechnen nicht gern, aber diese Zahlen sind beeindruckend und schön: "Max und Milli" wurde neunzig Mal rund um den Globus inszeniert, sogar in der DDR, und in 21 Sprachen. Vor 21 Jahren war die Uraufführung.

Das Grips-Theater, in diesem Jahr dreißig geworden, bringt zum Jubiläum "Max und Milli" nun schon in der dritten Inszenierung. Ein paar Sachen hat Volker Ludwig auch aktualisiert, zum Beispiel die Werbesprüche, mit denen die fernsehverrückte "Mattscheiben-Milli" alle nervt. Natürlich gibt es auch eine anrührende Theater-Geschichte: Der Regisseur heißt diesmal Thomas Ahrens. Er spielte 1978 Max und Millis einsamen Freund Peter, und hier hat er nun die Rolle des Vaters, vor dem sich Peter versteckt und davonlaufen will. Im Grips können ja alle voneinander lernen.

"Ein Theaterstück für Menschen ab 5": Milli ist fünf und geht in die Vorschule, Bruder Max ist sechs und Peter schon ein bisschen älter - und erfahrener. Die Stiefmutter sperrt ihn in den Schrank, dem Vater rutscht ständig die Hand aus. Wenn Zwei sich so eifersüchtig und biestig streiten wie Max und Milli, freut sich der Dritte - und allen kann geholfen werden. Für die Geschwister bedeutet die neue Freundschaft mit Peter ein großes Abenteuer, nun kriegen sie sich nicht mehr so oft in die Haare. Mit Max und Millis Hilfe verbessert sich auch Peters angespannte Lage. Alle verstehen: Freundschaft braucht Mut und Phantasie und Vertrauen. Auch das Einschlafen geht leichter.

Zwischen Spielplatz und Kinderzimmer wogt Volker Ludwigs "Lieblingsstück". Grips-Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau hat ein Hochbett erfunden, das sich blitzschnell zum Klettergerüst mit Rutsche umbauen lässt. Die Musik stammt immer noch von Birger Heymann, Rock und Blues zum Mitklatschen und live. Ludwigs Theater läuft wie eine wilde, pointensichere Boulevardkomödie, und Boulevard ist immer antiautoritär und mit Ansage: Katja Hiller (Milli) und Rüdiger Klink (Max) toben durch die Betten und verbergen sich in Schränken, wenn die ironisch-gestrenge Mutti (Birgit Langkabel) im falschen Moment durch die Tür spaziert. Falk Berghofer, der schwarze Peter, hat so eine offene, verletzbare, charmante Berliner Art, die daran erinnert, dass dieses Kinderleben gar nicht nur so furchtbar lustig ist.Wieder am 29. 10. um 10 Uhr und 30. 10. um 16 Uhr

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