Kultur : Das Herz eines Boxers

Paul Weller im Sendesaal des RBB

H.P. Daniels

Alles hat Stil bei Paul Weller. Keine albernen Posen. Nichts wirkt einstudiert. Tosender Empfang im Sendesaal des RBB. Vor drei Jahren hatte er hier ein berauschendes Solokonzert gegeben. Heute kommt er mit Band. Sie beginnen ruhig und gesetzt. Bassist und Gitarrist. Weller in der Mitte. Dem 46jährigen Engländer steht der gepflegte Mod-Stil immer noch. Wenn er auch längst erwachsen geworden ist, nicht mehr so zornig wie in den wilden Jahren. Erst 19 war er, als 1977 ein Konzert seiner grandiosen Band The Jam im legendären Kant-Kino in einer wüsten Saalschlacht endete. Zwischen Punks und Rockern. Gerade zwanzig Minuten hatten sie damals gespielt. Heute absolviert Weller 27 Songs in zwei Stunden. Eine betörende Mischung aus Folk, weichem Cocktailjazz, wie er ihn in den 80ern mit den eleganten Style Council gepflegt hatte. Weißer Soul, Motown-Funk, R&B und heftiger Riff-Rock. Die Folk-Ballade „Black Is The Colour“ mit Akustikgitarren, filzgedämpftem Schlagzeug, zartem Keyboardflausch. Weller ist Bühnenmensch. Live so viel besser als auf Platte. Für das neue Album „Studio 150“ hat er ausschließlich Fremdkompositionen zusammengetragen. Von Bacharach über Oasis bis Dylan. Jetzt her mit den Stromgitarren. Und einer großen Bläsertruppe. Weller singt grandios. Mit Seele. Tänzelt wie ein Boxer. Jeder Schlag sitzt. Hochdruckenergie reißt alle hoch. Lässt alles tanzen. Vielleicht das Beste, was ein Rockkonzert derzeit bieten kann.

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