Kultur : Das hohe F

Zum Tod des Trompeters Maynard Ferguson

Gregor Dotzauer

Wo anderen Trompetern die Luft ausgeht, da wurde er erst quietschfidel. Maynard Ferguson war ein Hochalpinist des Jazz, wie ihn die Welt zuvor nicht kannte. Wenn er zum Solo ansetzte, türmte er gleißende Überblaskaskaden aufeinander, die er eine nach der anderen zusammenstürzen und von immer noch höheren Tonsturzbächen überragen ließ. Fergusons athletischer Strahl brachte das Instrument an Grenzen, deren Überwindung oft mehr von sportlichem als musikalischem Ehrgeiz lebte. Doch im Zweifel war Ferguson immer eleganter und geschmackvoller als die Hundertschaften seiner Epigonen, die schlicht über die Technik dieses Mannes staunten und entgeistert zusahen, wie seine Exaltationen in den Himmel zischten.

Als Virtuose mit dem Beinamen „The Boss“ war Walter „Maynard“ Ferguson, der 1928 in einem Vorort von Montreal geboren wurde, ein Ereignis. Nicht umsonst entwickelte er eigene Trompetenmodelle. Als Jazzinnovator war er in seinen Möglichkeiten beschränkt. Groß geworden in der Bigband von Stan Kenton, blieb das fette Blech auch in kleineren Formationen sein heimliches Ideal. Ob er Neo- Bop-Zusammenhänge veredelte oder gesichtslosen Jazzrock aufwertete – seine frenetisch gute Laune konnte auch etwas Ermüdendes haben. Vergangenen Donnerstag ist Ferguson, in dessen legendärer Bigband Ende der fünfziger Jahre Musiker wie Slide Hampton, Joe Zawinul, Joe Farrell und Jaki Byard spielten, mit 78 Jahren in seiner kalifornischen Wahlheimat gestorben.

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