Kultur : Das Hohelied der Oboe

Eckart Schwinger

Hansjörg Schellenberger hat sein eigenes CD-Label gegründetEckart Schwinger

Ebenso wie sein Haydn-Ensemble, leitet Hansjörg Schellenberger nun auch ganz eigenverantwortlich die Edition "Campanella Musica". Zur Seite steht ihm die renommierte französische Firma Loree, auf deren Oboen alle bisher veröffentlichten Aufnahmen eingespielt wurden. Aufgrund seiner Erfahrungen als einer der Geschäftsführer der Berliner Philharmoniker ist Schellenberger durchaus mit der Situation der Musikindustrie vertraut. Gleichwohl ist er hinsichtlich auf die Resonanz seines Selbstverlages Optimist. Was noch mehr zählt: Im Studio ist er sein eigener Herr. Früher mochten seine Aufnahmen schnell einmal aus den Katalogen der großen Schallplattenfirmen verschwinden, wenn sie keine Gewinne einbrachten. Sony etwa hat alle Veträge mit "unrentablen" Künstlern - darunter Schellenberger - aufgekündigt. Der von ihm gewonnene Rechtsstreit brachte ihm nicht nur eine Abfindung, sondern auch ein fertig geschnittenes Band mit dem Doppelkonzert von Lutoslawski und den Tänzen von Martin zu seiner Verwendung. Dieses Band gab letztlich den Anstoß für die Gründung des eigenen Labels.

Das Wagnis war ihm bewußt. "Aber lieber", so sagt er, "verwirkliche ich meine eigenen Möglichkeiten und mache das, was ich musikalisch interessant finde und präsentiere es so, dass es sich auf dem Markt darstellen kann." Was von der Hansjörg Schellenberger Musikproduktionen GmbH bisher auf den Markt gekommen ist, sind in der Tat attraktive "Produkte". Der Einführungsartikel von Peter Cossé zu den Bach-Sonaten "Original, Bearbeitung, Emanzipation, Liberalität" verweist auf interpretatorischen Eigenheiten dieser Poduktion. Gerade bei den Sonaten von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach kommt seitens des traumwandlerisch sicher korrespondierenden Ehepaares Margit-Anna Süß / Schellenberger ebenso artistische wie elegant herüber.

Die moderne Tonkultur von Schellenberger, seine strahlende Klangintensität und gestalterische Flexibilität haben es in sich. Bei Ibert zieht er obendrein ein prasselndes Feuerwerk ab. Aber auch die hochsensible Harfenistin Süß musiziert bei Bach, Britten, Martin und Lutoslawski mit außerordentlicher Nuancierungsvielfalt. Ein delikater Deklamationsstil und technischer Feinschliff eignen auch dem Klarinettisten Hans Dietrich Klaus und der Pianistin Nerine Barrett bei den Sonaten von Brahms und Gßl. Man darf auf die weiteren CDs gespannt sein.
© 1999

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