Kultur : Das Holz macht die Musik

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Japaner verstehen es, uns Langnasen immer wieder zu verblüffen. Sie sind bekannt für die ausgefeiltesten minimalistischen technischen Tüfteleien, aber sie halten auch gerne an der Tradition fest. Die japanische Exportorganisation Jetro präsentierte auf der Kölner Möbelmesse ein Ensemble aus einer Futonunterlage, einer klassischen, niedrigen Kommode mit Gitterschiebetüren, auf der ein riesiger Flachbildschirm steht. So gehen für westliche Augen Tradition und Moderne zusammen. „Nein, nein, das ist schon sehr westlich“, meint eine ältere Dame im Kimono. „Normalerweise liegt der Futon doch auf einer TatamiMatte. Dieses Gestell ist schon ein Zugeständnis an den sich ändernden Lebensstil bei uns.“

Unsereinem fällt das nicht auf, denn der Lattenrost aus hellen, dünnen Stäben sieht sehr fernöstlich aus. Er lässt sich zusammenschieben und ergibt so eine fast ebene Platte, er lässt sich aber auch im Zickzack hochkant als Raumteiler aufstellen. Aber das ist noch nicht alles. Wunderbare Musik erklingt, aber außer zwei Holzplatten links und rechts vom Bildschirm ist nichts zu sehen. „Die Musik kommt aus dem Holz“, sagt die freundliche Dame und reicht ein Brettchen. „Fühlen Sie, wie leicht es ist. Und es ist sehr porös.“ Das ist das Geheimnis des tönenden Brettes. Es ist, wie die ganzen Möbel, aus Paulawnia-Holz, einem sehr seltenen Baum, der nur in Mishima im Norden Japans wächst. „Die japanische traditionelle Laute Koto wird aus dem gleichen Holz gefertigt, weil es so einen wunderbaren Klang gibt.“

Und dann, versichert die Dame, habe das Holz noch ganz besondere Eigenschaften. Es reguliere die Feuchtigkeit, es neutralisiere die Handy-Strahlung und hat eine hohe antistatische Wirkung, so dass sich Kommoden aus Paulawnia-Holz auch besonders zur Aufbewahrung empfindlicher elektronischer Geräte eignet. Jetzt suchen die Japaner einen deutschen Partner. R.B.

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