Kultur : Das innere Leuchten

Geld und Segen beim Theatertreffen: Devid Striesow erhält den Kerr-Preis, der 3sat-Preis geht an Alain Platel für „Wolf“

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Es sage keiner, es sei zu wenig Leidenschaft im Spiel gewesen beim diesjährigen Theatertreffen, das ingesamt 20000 Besucher sahen. Da gibt es den fulminanten Abschluss mit Alain Platels MozartHommage „Wolf“, die noch heute und morgen im Haus der Berliner Festspiele zu sehen ist, und am Sonntag mit dem 10000 Euro schweren 3sat-Preis ausgezeichnet wurde. Es gibt einen neu geschaffenen „Förderpreis für neue Dramatik“, der an Laura Sintija Cerniauskaites Stückemarkt-Entdeckung „Lucy auf dem Eis“ ging (Tsp vom 15. Mai). Und es gibt, für den von der Familie Kerr und der Pressestiftung Tagesspiegel mit 5000 Euro dotierten Alfred-Kerr-Darstellerpreis für die herausragende Leitung eines Nachwuchsdarstellers, einen Juror wie den Schauspieler Ulrich Mühe, der in seiner Laudatio auf den Schauspieler Devid Striesow eine leidenschaftliche Theater-Vision entwirft.

„Es gibt sie in jeder Generation, und immer findet eine besondere Berührung statt. Machen sie einem doch auf so wunderbare Weise wieder lebendig, warum Theater etwas so Besonderes, so Einzigartiges ist. Das sind die Schauspieler mit dem inneren Leuchten. Ein Leuchten, das den Körper nicht als Begrenzung kennt, sondern als Ausgangspunkt, mich zu erreichen. Das ist mehr, als die Mittel kennen und nutzen, mehr, als kluge Gedanken in sich zu versammeln und über sich hinauszusehen. Vielleicht ist es ein Fieber. Ein Fiebersturm, der entsteht, wenn Wollen und Können Hochzeit machen.“

Sie wird dem Juror gleichwohl nicht leicht gefallen sein, die Auswahl im zehnten Jahr des Kerr-Preises. Denn diesmal stand es schlecht um den Nachwuchs: Entweder waren die Schauspieler schon prämiert, wie Johanna Wokalek, Fritzi Haberlandt, oder August Diehl, Preisträger der vergangenen Jahre, oder sie waren beim Theatertreffen diesmal nicht zu sehen.

Einen jedoch hat Ulrich Mühe gefunden. Einen, der zuletzt vor allem im Film für Aufsehen gesorgt hatte, in Hans-Christian Schmids „Lichter“ oder Ulrich Köhlers „Bungalow“. In Angela Schanelecs „Marseille“ ist Striesow derzeit bei den Filmfestspielen in Cannes zu sehen. Ausgezeichnet wird der 1973 Geborene und an der Ernst-Busch-Hochschule Ausgebildete für seine Rolle des Wlas in Jürgen Goschs Inszenierung der „Sommergäste“ aus dem Schauspielhaus Düsseldorf.

Ulrich Mühe: „Ich habe einen Schauspieler gesehen, der zart wie die frühe Liebe sein kann, grob wie die Axt im Walde, bitter und böse, verletzt und enttäuscht, verzweifelt und sogar von sich selbst verlassen.“, rühmt ihn Mühe in der Laudatio. „Und er hat es mir nie vorgespielt, mich nie darauf aufmerksam machen wollen. Aus sich heraus in die Welt. Ganz einfach, einfach wahr. Dass er den Löwen auch noch spielen wollte, als Dienstmädchen und Laienschauspieler, hat ihn mir nie suspekt gemacht. Im Gegenteil! Es passierte nämlich etwas Außerordentliches. Das Dienstmädchen undder Laienschauspieler waren Facette seiner selbst als ,Wlas’. Er nutzte die inszenatorische Notwendigkeit als Möglichkeit, den Bogen weiter zu spannen. Varianten einer Existenz auszudeuten, ohne am Rollenrand brav stehen zu bleiben. Den ganzen Rahmen des Abends auszuschreiten und mich so auch als Zuschauer ernst zu nehmen, weite Wege mitzugehen.“

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