Kultur : Das Irrlicht

Vordenker der Neuen Rechten: zum Tod von Armin Mohler

Hermann Rudolph

Er war wohl der querköpfigste, notorisch widersetzlichste Intellektuelle, den die alte Bundesrepublik gekannt hat. Das fing an mit einem verblüffenden biografischen Vorspiel: Armin Mohler, ein Schweizer, geboren in Basel, der im Zweiten Weltkrieg partout auf deutscher Seite kämpfen wollte und diesen Irrwitz, zurückgeschickt, mit Militärgericht und Festungshaft bezahlte. Das setzte sich hoch seriös fort mit seiner Dissertation aus dem Jahr 1950, die das sperrige Thema der deutschen „konservativen Revolution“ 1918 -1932 ausführlich dokumentierte und einfühlsam deutete. Das Buch blieb ein Standardwerk und zugleich Armin Mohlers mehrfach erweitertes Leib- und Magen- Opus.

Mohler wurde Privatsekretär Ernst Jüngers, Frankreich-Korrespondent – was sich in einem vorzüglichen Buch über die Fünfte Republik und den Gaullismus niederschlug –, dann, von 1964 bis 1985, war er Geschäftsführer der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung in München. Vor allem aber irrlichterte er rastlos durch die deutsche intellektuelle Szene, ein unermüdlicher Provokateur, in den Fünfziger- und Sechzigerjahren noch am rechten Rand ihres Mittelfelds, später nur noch am Rande. Das hatte auch damit zu tun, dass der deutsche Nachkriegskonsensus und seine Verankerung in der Vergangenheitsbewältigung, gegen den er unerbittlich zu Felde zog, sich zumindest auf dem Niveau seiner Argumentation erschöpfte.

Irgendwie waren die Zeiten vorbei, in denen der halsbrecherische Versuch, den deutschen Traumata eine gewisse Rehabilitierung rechter und konservativer Denkungsart abzuringen, noch wirklich faszinierte. Aber in diesen Gefechten, die einen Gutteil der Nachkriegszeit ausfüllten, war er eine markante, fast immer interessante Figur.

Bereits vor einer Woche ist Armin Mohler im Alter von 83 Jahren gestorben. Am heutigen Freitag wird er auf dem Münchner Nordfriedhof beerdigt.

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