Kultur : „Das ist Krieg“: Nobelpreis-Sekretär beschimpft Medien

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Der „Ständige Sekretär“ der für den Literaturnobelpreis zuständigen Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, hat die Massenmedien als „Menschen fressende Maschine“ und „PrivatStasi“ angegriffen. Im Gespräch mit der dänischen Zeitung „Politiken“ sagte der 55-Jährige: „Ja, ich verachte ihre Arbeitsweise, die Leichtigkeit, mit der sie zum Lynchen und zu Menschenopfern übergehen.“ Engdahl verkündet jedes Jahr den Träger des Literaturnobelpreises.

Engdahl sieht einen Grund für das Verhalten der Medien im Wegfall früheren Respekts vor der Schwedischen Akademie: „Explodiert“ sei das Verhältnis, als die Akademie Ende der Achtzigerjahre für ihr Schweigen zur Verfolgung des britischen Autors Salman Rushdie durch islamische Fundamentalisten kritisiert wurde. „Hier ließen die Medien ihren Aggressionen und Minderwertigkeitskomplexen freien Lauf.“ Schon bei seiner Wahl zum Ständigen Sekretär 1999 habe er gewusst: „Das hier ist Krieg.“ Der Literaturkritiker schimpfte, Medienvertreter hätten sogar nachts bei ihm angerufen oder und die Nachbarschaft ausgefragt. „Das ist eine Art Stasi-Aktivität.“ Engdahl war 2002 zeitweise wegen Transaktionen mit Stockholmer Wohnungen in die Schlagzeilen geraten. dpa

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