Kultur : Das ist nur der Anfang

Zwei Weltpremieren: Ich & Ich, The Machine

Nadine Lange

Wenn man die Hipness der Humpe- Schwestern vergleicht, liegt Inga deutlich vorn. Die Sängerin von 2raumwohnung hat eine Ausnahmestellung in der deutschen Pop-Landschaft, die selbst durch ihr Eintreten für die Radioquote nicht gefährdet ist. Jetzt holt die ältere Schwester Annette auf: Zusammen mit Ex-The- Boyz-Sänger Adel Tawil hat die ehemalige Keyboarderin und Sängerin von Ideal das Duo Ich & Ich gegründet. Einen kleinen, viel versprechenden Eindruck ihres Anfang 2005 erscheinenden Albums geben sie bei ihrer Konzert-Premiere im Palais der Kulturbrauerei. Unterstützt von einem tollen Akustik-Quartett spielen Humpe und Tawil souligen Pop, der sofort im Innenohr verfängt. Besonders überzeugend ist der sich zu einer wahren Hymne steigernde Song „Dienen“. Das Publikum fordert ihn als Zugabe gleich nochmal. Schwer fällt es danach Tom Cunningham und Dirk Michaelis, den Initiatoren des dreitägigen Songwriterfestivals (heute, 21 Uhr im Rickenbacker’s Musik Inn), in ihr Programm zurück zu finden. Sie bitten nach und nach fünf Singer-Songwriter zu sich auf die Bühne. Jeder spielt ein Lied, die anderen hören zu oder improvisieren ein bisschen auf der akustischen Gitarre. Mit dabei: so renommierte Musiker wie der Ire Paul Brady oder der Schotte Graham Lyle, der für Tina Turner den Hit „What’s Love Got To Do With It“ schrieb. Leider kommt das Staffel-Singen nach länglichen Ansagen der Gastgeber nur schleppend in Gang. Zudem ist es zu unruhig. Ich & Ich machte das nichts aus: Sie waren lauter, frischer, mitreißender.

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„That was just a beginning“, ruft Afrika Islam, als er und seine Mitstreiter die Bühne verlassen. Knapp dreißig Minuten hat der erste Auftritt von The Machine gedauert, und wenn das nicht der Anfang war, dann war es das Ende. Die All-Star-Band, die so legendäre Gründungsfiguren des schwarzen HipHop wie die Rapper Ice-T („Cop Killer“) und Melle Mel („The Message“), den Boddy- Count-Gitarristen Ernie C. sowie neben Afrika Islam dessen DJ-Lehrer Afrika Bambaataa vereint, spielt drei Songs. Laute, brodelnd-schmutzige Beats, die sich in elektronischem Dauerpfeiffen verlieren. Hysterische Parolen. Ice-T, der wegen Dreharbeiten in New York geblieben ist, schleudert seinen Wortstrom als Video- Botschaft ins Casino. Die kam wenigstens wirklich aus einer anderen Welt. Kai Müller

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