Kultur : Das italienische Fest

Bei den New Yorker Altmeister-Auktionen dominieren europäische Sammler

Matthias Thibaut

Italienische Stadtansichten aus dem 18. Jahrhundert sind seit 20 Jahren das Fundament des italienischen Altmeistermarktes – was die New Yorker Altmeister-Auktionen in dieser Woche einmal mehr bestätigten. 5,2 Millionen Dollar bezahlte ein amerikanischer Sammler bei Christie’s für Canalettos Blick auf die Bacino di San Marco. Das Bild wandert nun, nach einer langen Sammlungsgeschichte in England, in amerikanischen Besitz. Öfter geht der Warenstrom aber in die andere Richtung. Europäische Händler und Sammler, vor allem aus Italien, nutzen den schwachen Dollar und kaufen europäische Kunst zurück. Eine herrlich lebhafte Venedigvedute von Francesco Guardi ersteigerte etwa ein Europäer für verhältnismäßig günstige 2,1 Millionen Dollar – taxiert waren bis 3 Millionen Dollar.

Trotz der Schlagzeilen für Vermeer und Rubens sind die Preise bei den Altmeistern in den letzten Jahren gesunken. Und wenn Richard Knight von Christie’s nach der Auktion von einer „fantastischen Vertrauenserklärung für den Altmeistermarkt“ sprach, meinte er nicht nur den Umsatz von 26 Millionen Dollar, sondern vor allem, dass Christie’s endlich wieder einmal vor Sotheby’s lag. Ausgezahlt hatte sich damit auch ein Einsatz vor der Auktion: In der Hoffnung auf einen Energieschub hatte Christie’s die Kunsthandlung von Richard Knight und seinem Kompagnon Nicholas Hall – und damit zwei neue Abteilungsdirektoren – eingekauft.

Seit über einem Jahrzehnt war die italienische Kunst nicht mehr so dominant wie nun in New York. Auch die lange schon vernachlässigte französische Kunst spielte endlich wieder eine größere Rolle. Dagegen sind die Niederländer im Rückzug, die mit ihren Blumenstillleben, Kneipenszenen und Landschaften den Markt eine Dekade lang beherrschten. Und nicht nur unverfängliche Veduten und sanfte Madonnen sind bei den Italienern begehrt. Fast die doppelte Taxe bezahlte ein amerikanischer Sammler für Filippino Lipps Büßerin Magdalena, eine bewegend schöne, aber sachliche Abbildung der Heiligen, die im Quattrocento in Florenz eine Kultfigur war. Das Bild aus dem Nachlass des englischen Journalisten Denys Sutton brachte 2,2 Millionen Dollar.

Bei Sotheby’s war das Spitzenlos ein Porträt eines Malteserritters von Ludovico Carracci: Taxiert waren 80000 –120000 Pfund, denn düstere Renaissanceportraits sind nicht gerade der letzte Schrei. Es brachte stolze 1,8 Millionen Dollar. Auch Sotheby’s zweitteuerstes Los war ein alter Mann: Der Heilige Andreas des Carravaggisten Jusepe de Ribera erzielte 1,2 Millionen Dollar. Offenbar entdeckt der Markt die Kunstgeschichte wieder.

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