Kultur : Das letzte Werk des großen Philosophen

Noch bewahrt die Staatsbibliothek zu Berlin Stillschweigen über den Kaufpreis, der für das letzte monumentale Werk des Philosophen Immanuel Kant, das "Opus postumum", aufgebracht worden ist. Auf jeden Fall wurde es aus Privatbesitz erworben und davor bewahrt, auf dem Auktionsmarkt durch Einzelverkäufe zersplittert zu werden. Bisher gibt es über dieses letzte Werk des großen Philosophen wissenschaftlich nicht auf dem letzten Stand befindliche Veröffentlichungen, so daß für eine geplante Neu-Edition das Orginal von großer Bedeutung ist.

Das Werk aus Kants letzten Lebensjahren weist für die Wissenschaftler insofern einige Schwierigkeiten auf, weil Kant in das Opus außer einem kompakten philosophischen Text auch Tagebuchaufzeichnungen eingearbeitet hatte und dazu physikalische Erörterungen einflechten ließ, die nicht unbedingt mit dem Werk in Zusammenhang stehen. Da Kant zugleich ein bedeutender Naturwissenschaftler war, sind dennoch diese Werkteile für die Forscher von Bedeutung. Das Werk bereitet besondere Schwierigkeiten, weil es verschiedene Fassungen der Einleitung enthält, in die Kant auf Grund des Nachlassens seiner geistigen Fähigkeiten in den letzten Lebensjahren mehrere Schichten übereinandergeschrieben hatte. Kant starb im Jahr 1804 und das "Opus postumum" stammt von 1802. Sonst befindet sich das Manuskript laut Staatsbibliothek in einem ausgezeichneten Zustand. Es ist nicht vom Tintenfraß beschädigt. Das Werk war bisher im Privatbesitz des Ministerialdirigenten außer Dienst, Albrecht Krause, der es von seinen Vorfahren geerbt hatte.

Die wissenschaftliche Bearbeitung der Handschrift wird die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften übernehmen. Aus diesem Anlaß dürfte die Kant-Forschung von der Göttinger Akademie nach Berlin verlagert werden. Das Fragment des letzten großen Werkes wird zunächst in Form von Mikrofiches der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Erstmals wird die Handschrift in der im Jahr 2000 geplanten Ausstellung "Immanuel Kant und die Berliner Aufklärung" der Allgemeinheit gezeigt. Das Geld für den Aufkauf wurde durch Eigenmittel der Staatsbibliothek, Zuwendungen der Zeit-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder und Sondermittel des Bundes aufgebracht. U. S.

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