Kultur : Das Lied vom Tod

FRANK DIETSCHREIT

In einem Lied der Gruppe "Fehlfarben" hieß es einmal: "Ich kenne das Leben, ich bin im Kino gewesen." So ähnlich muß es Albert Ostermaier ergangen sein.Viele Stunden, ja Monate muß der 1967 geborene Autor im Kino zugebracht haben.Denn seine mehrfach preisgekrönten, in Berlin aber immer nur beim Stückemarkt präsenten Theatertexte sind prall gefüllt mit Hollywood-Mythen.In "Death Valley Junction" gibt es denn auch reichlich Cowboystiefel und Schlangenhäute, Easy-Rider-Motorräder und ausgeflippte Typen.Handys melden sich mit der Melodie von "Spiel mir das Lied vom Tod", und wer noch "Zabriskie Point" in guter Erinnerung hat, wird sofort Zugang zu Ostermaiers Comicstrip aus literarischen und filmischen Versatzstücken finden.

Zugang gefunden haben auch die Schauspieler, die mit Ostermaier von Las Vegas heraufgefahren sind nach "Zabriskie Point" und einen Blick in den Abgründe nicht nur der Salzwüste, sondern der menschlichen Seele werfen.Wenn die wunderbare Petra Hartung abtaucht in eine fremde Sprache und als Valery zum Racheengel wird, lächelt aus ihrem kalten Mund Dantes Göttliche Komödie in die Höllenqualen hinein.Desmond kapiert nichts.Statt mit Valery den Sonnaufgang über der Wüste zu genießen, fummelt er an seinem toten Handy herum und versteht nicht, warum in seinem Kofferraum eine Leiche liegt.Ist er im falschen Film?

Udo Samel, der auch Ende Mai in der Münchner Premiere von Ostermaiers "The Making of a B.-Movie" mitspielen wird, entwirft durch feinfühliges Lesen einen Desmond, der im Kopf des Zuhörers bereits Bühnenpräsenz gewinnt.Tilo Werner modelliert seinen Hal zu einem Paradiesvogel und gnadenlosen Killer.Valerie Koch, Falk Rockstroh, Christian Nickel haben hörbaren Spaß daran, Sprachmelodien auszuprobieren, ihren Figuren Leben einzuhauchen.Während Ostermaier auf der Klaviatur der Kino-Mythen spielt, drehen die Lesenden noch eine gekonnte Schleife und beginnen das tödliche Spiel von vorn.Das Ende eines Films ist immer nur der Anfang des nächsten.

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