Kultur : Das Medium ist die Botschaft

Ein Sammelband stellt die diplomatischen Bauten Berlins vor

Falk Jaeger

Kanada im Rokokorausch, Malaysia kühl-modern, Australien in Neorenaissance, die dänische Residenz expressionistisch – nicht immer verbindet sich die Vorstellung von einem fremden Land mit der Erscheinung seiner Repräsentationsarchitektur. Kerstin Englert hat mit ihren Kunstgeschichtsstudenten an der TU Berlin die Vertretungen von 129 Ländern besucht, Alfred Englert hat sie fotografisch festgehalten. Ob die spektakulären Neubauten wie jene von Großbritannien, Mexiko, den Nordischen Ländern oder Israel, ob die historischen Repräsentanzen wie jene von Italien oder Spanien, ob die umgewidmeten herrschaftlichen Villen von Polen, Kuwait, Jemen sowie Gabun oder die angemieteten Büroetagen in ganz normalen Verwaltungsgebäuden der eher armen Länder wie Bangladesh oder Mosambik, alle werden in diesem überblicksartigen, aber sehr genauen Band mit Akribie beschrieben und analysiert.

Um in das Thema einzuführen geben die Beiträge von Hans-Dieter Nägelke, Angelika Schyma und Martin Petsch Überblicke über die Gesandtschaftsarchitektur vor dem Krieg, die Diplomatenarchitektur in Bonn und in Ost-Berlin, während Jürgen Tietz die Botschaftsneubauten und Kerstin Englert die Diplomatenresidenzen in der neuen deutschen Hauptstadt vorstellen. „Botschaften in Berlin“ ist weit mehr als ein Architekturführer, ist ein Kompendium, das die diplomatische Vertretung als Funktions- und Bautypus in Wort und Bild bis hin zum Glossar diplomatischer Fachbegriffe erschöpfend behandelt. Lediglich Grundrisse waren aus Sicht der Kunsthistoriker wohl verzichtbar.

„Botschaften in Berlin“, herausgegeben von Kerstin Englert und Jürgen Tietz, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2003, 304 S., 24,80 €.

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