Das Minguet Quartett im Konzerthaus : Dem Klang auf der Spur

Das Minguet Quartett führt das Concertino von Isang Yun in der Reihe „2 x hören“ des Konzerthauses auf.

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Ringen um Licht. Das vierköpfige Minguett Quartett.
Ringen um Licht. Das vierköpfige Minguett Quartett.Foto: Frank Rossbach

Es ist wie ein Ringen um Licht oder ein Anrennen gegen Mauern: Immer wieder streben die Streicher in hektisch verknäuelten Figuren nach oben. Mit sachten, lang ausgehaltenen Klängen antwortet das Akkordeon. Die Instrumentenfarben vereinigen sich, trennen sich wieder in scharfen Akzenten. Der konflikthafte Ablauf spitzt sich zu, zerfällt plötzlich in feinste Partikel, filigrane Linien, Triller, Vogelzwitschern heraufbeschwörend. Beruhigung tritt ein, nach der sich noch einmal alle Energie zusammenballt und in harmonischeren, optimistischer stimmenden Klängen ausströmt.

Auch in seinem Concertino für die seltene Besetzung Streichquartett und Akkordeon zeigt sich der deutsch-koreanische Komponist Isang Yun als Wanderer zwischen den (Klang-)Welten. Diesen auf die Spur zu kommen versucht Christian Jost in der Konzerthaus-Reihe „2 x hören“ mit dem Minguet-Quartett und dem Akkordeonisten Stefan Hussong, die diese fremd-vertraute Musik eindringlich und klanglich fein abgestimmt interpretieren. Wir erfahren, dass dem zunächst so undurchdringlichen Klanggeschehen, das uns einfach überrennt, von Beginn an eine pentatonische Reihe innewohnt, auf der asiatische Melodik basiert. Auch das „B-A-C-H“-Motiv taucht auf, Urgrund aller abendländischen Musik, auch der Titel „Concertino“ suggeriert einen klassizistischen Ansatz. Dem entspricht der Verlauf, in dem man drei Sätze (schnell–langsam–schnell) erkennen könnte. Die Besetzung symbolisiert einmal mehr die kulturelle Differenz, aus der Yun vielfältige, individuelle Klänge schöpft: hier das Streichquartett als Inbegriff klassischer Tradition, dort das Akkordeon als konzertante Vertretung der japanischen Mundorgel Shô.

„Als Musiker brauche ich keine biografischen Informationen“, tritt Cellist Matthias Diener Spekulationen darüber entgegen, wie viel Schmerz tragischer Erfahrungen, vor allem die Entführung durch Südkoreas Geheimdienst 1967, sich in dem Stück niedergeschlagen haben könnte. „Der Notentext sagt mir alles, was der Komponist gewollt hat.“ Wirklich? Zwei Minuten aus Maria Stodtmeiers Dokumentarfilm „In Between“ verschaffen mehr als alle Analysen eine beklemmende Ahnung von Yuns schwerem menschlich-künstlerischen Weg.

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