Kultur : Das Murmeltier grüßt

NORBERT TEFELSKI

Mimisch-gestisch: Ahlheim / Thorbecke als "Rohrhorcher"VON NORBERT TEFELSKIProfanität und Weisheit liegen nebeneinander, im Volksmund sowieso: die vielzitierte "Macht der Gewohnheit" ist langweilig und erschreckend zugleich.Wenn Christiane Ahlheim und Michel Thorbecke die Rituale vierundzwanzig gemeinsam ver-lebter Stunden zweimal hintereinander durchexerzieren, dann hört der Spaß auf.An seine Stelle tritt beängstigendes Hamster-im-Rad- oder "Täglich-grüßt-das-Mumeltier"-Gefühl.Bis das dicke, gluckernde, die Bühne beherrschende Rohr plötzlich schweigt.Die aufwendige Konstruktion, unter anderem Bettstatt(!) und Wasserspender, verweigert sich seiner impulsgebenden Rolle, und der exakte, fast wortlos zelebrierte Trott weicht einem verzweifelt-unbeholfenen Kampf um "Normalität".Das Pantomimenpaar steigert sich in nicht immer nachvollziehbare Emotionen: Egotrips und Schikanen, aber auch Sexualität und Zärtlichkeit.Als komischer Höhepunkt verschwindet Männe scheinbar auf Nimmerwiedersehen in der ominösen Pipeline, bevor eine Prise Tragik die Schlußpointe vorbereitet: das Kammerstück kulminiert im Klapsmühlensieg der teuflischen Gewohnheit. Nach einer Stunde ist alles gesagt bzw.verschwiegen, und das teils amüsierte, teils irritierte Publikum hat die Wahl der Interpretation: Binsenweises Sozio-Lehrstück oder philosophischer Kommentar zur menschlichen Abhängigkeit von äußeren Bedingungen.Aber vielleicht wäre das ein zu angestrengter Klimmzug auf die Metaebene. Hackesches Hof-Theater, bis 18.4. Mi-Sa, 21 Uhr

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