Kultur : Das Neue wagen

Filmstar Maggie Cheung über die Arbeit an „Hero“

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„Hero“ erzählt von der blutigen Vereinigung einer Nation – unter dem Motto „Alle unter einem Himmel“. Die von ihnen gespielte Kämpferin Fliegender Schnee stimmt dem allerdings bis zuletzt nicht zu. Schätzten Sie das an ihr?

Persönlich befürworte ich „Alle unter einem Himmel“. Auf der anderen Seite mag ich Fliegender Schnee für ihre Sturheit. Ich selbst könnte niemals so viel durchstehen wie sie. Aber es ist toll, das alles in einer imaginären Welt durchzuspielen.

Die Führer der chinesischen KP mochten „Hero“. Beifall von der falschen Seite?

Es war niemals die Intention, ihnen zu gefallen. Für Zhang Yimou ist es ein Durchbruch: Erstmals unterstützt die Regierung einen seiner Filme und verbietet den Vertrieb nicht. Für jeden Filmemacher ist es eine Freude, sein Werk im eigenen Land zu zeigen.

Wie ist „Hero“ in Hongkong angekommen?

Die Reaktionen waren kühler als in China, Korea oder Taiwan. Die Einspielergebnisse waren zwar ganz gut, aber die Hongkonger hatten Probleme damit, dass dieselbe Geschichte dreimal erzählt wird. Für mich geht es aber genau um diesen Punkt. Man sieht, wie sich Dinge, aus einer anderen Perspektive betrachtet, verändern können.

Was hat Sie ursprünglich an „Hero“ gereizt?

Die Tatsache, mit Zhang Yimou zu arbeiten, weil er einer der wichtigsten Regisseure in Asien ist. Außerdem wollte ich mal wieder einen historischen Kostümfilm drehen. Ich habe das vor acht oder neun Jahren zum letzten Mal gemacht und damals nicht wirklich ernst genommen. „Hero“ war eine Chance, es noch einmal aufrichtiger zu tun.

Wie waren die Drehbedingungen?

Wir waren in einem Hotel untergebracht, das nur einmal am Tag warmes Wasser hatte. Das Essen am Set war kalt, weil es zwei Stunden durch die Wüste gefahren worden war. Aber genau diese Erfahrung wollte ich machen. Ich wollte sehen, ob ich nicht schon zu bequem und zu verwöhnt für solche Bedingungen bin.

Sie haben bei „Hero“ mit vielen Leuten zusammengearbeitet, die zur Wong KarWai-Filmfamilie gehören. So spielen Sie und Tony Leung wie in „In the Mood for Love“ ein Liebespaar. Wie war es, wieder an seiner Seite zu drehen?

Es gibt eine Leichtigkeit zwischen uns, wir kennen uns schon lange. Und besonders seit den Arbeiten zu „In the Mood for Love“, wo wir 15 Monate ständig zusammen waren. Über viele Sachen müssen wir gar nicht mehr reden – das kommt auch daher, dass wir die gleiche Sicht auf unseren Beruf haben. Wir wollen Ähnliches erreichen und werden von ähnlichen Dingen inspiriert.

Eine für Sie neue Kollegin war die junge Chinesin Zhang Ziyi, die durch „Tiger und Dragon“ bekannt geworden ist. Hat sie sich am Set Tipps von Ihnen geben lassen?

Das ist nicht ihre Art. Nur nach unserer Kampfszene im Wald kam sie zu mir, weil sie mich an der Hand verletzt hatte. Sie weinte und entschuldigte sich. Sie ist ein kleines Mädchen ... mit einem sehr reifen Geist.

Sie werden bald wieder mit ihr zu sehen sein, in Wong Kar-Wais „2046“.

Die Zahl sollte zunächst das Jahr bezeichnen. Wong Kar-Wai wollte einen Film in der näheren Zukunft spielen lassen. Aber daran hat er ein wenig das Interesse verloren. 2046 ist auch die Nummer des Hotelzimmers aus „In the Mood for Love“. Die beiden Filme sind verbunden.

Wong Kar-Wai und Zhang Yimou arbeiten sehr unterschiedlich. Wie erleben Sie sie?

Zhang Yimou weiß vom ersten Tag an genau, was er will. Wong Kar-Wai weiß am Anfang überhaupt nicht, was er vorhat. Am Ende sagt er dann: Ah, das wollte ich also machen. Es ist schön, beide zu kennen. Wenn ich mit Wong Kar-Wai zusammen bin, denke ich, alle Regisseure arbeiten so. Es ist gut zu wissen, dass andere sehr zielstrebig sind – und es hilft auch bei der Vorbereitung. Mit Wong Kar-Wai muss ich immer viel erahnen.

Das Gespräch führte Nadine Lange.

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