Kultur : Das Nordlicht

Noldes Meeresbilder bei Wolfgang Werner Berlin

Michael Zajonz

Emil Nolde ist das Nordlicht unter den Expressionisten: 1867 im Dorf Nolde nahe des heute dänischen Tondern geboren, 1956 im nordfriesischen Seebüll gestorben. Zeit seines Lebens zog es ihn neben Paris und Berlin, wo die Nolde-Stiftung im Herbst eine Dependance eröffnen wird, immer wieder auch nach Hamburg oder auf die Insel Alsen.

Das Meer war Noldes Lebens- und Kunstelixier, ein adäquates Ausdrucksmittel seines cholerischen Temperaments. Der Kunsthändler Wolfgang Werner zeigt nun eine kleine, aber museale Auswahl der zwischen 1910 und 1915 entstandenen „Meeresbilder“: Gemälde, Aquarelle, Tuschzeichnungen und Radierungen.

Im Februar 1910 fand die erste große Einzelausstellung Noldes in der Hamburger Galerie Commeter statt. Der Künstler quartierte sich nahe dem Hamburger Hafen ein, wo Tuschzeichnungen wie „Schlepper mit Schute und Dampfer“ (um 40 000 Euro) und eine Folge von Radierungen entstanden waren, die, so Nolde, viel „Lärm und Tosen, Rausch und Rauch und Leben, doch wenig Sonne“ zeigen. Sieben von 19 Blättern hat Werner zusammengetragen (20 000 –25 000 Euro), in denen sich Nolde nicht nur vom geschäftigen Hafengewimmel, sondern auch von Dunkelheit und Regenwetter beeindrucken ließ.

An dunklen Sturmnächten arbeiten sich auch die beiden Gemälde der Ausstellung ab: „Herbstmeer VIII“ von 1910 (bereits verkauft) und „Das Meer VI“ von 1915 (Leihgabe aus Privatbesitz). Wobei besonders das frühere der beiden Bilder bereits ein nahezu abstraktes Stück Malerei ist, bei dem nicht einmal ganz geklärt werden konnte, mit welchem der beiden blaugrünen Streifen Nolde den Himmel und mit welchem er das Meer gemeint hat. In einigen Publikationen hat man das Bild andersherum abgebildet, als es nun in der Fasanenstraße an der Wand hängt.

1913/14 konnte der Künstler an der „Deutsch-Neuguinea Expedition“ des Reichskolonialamts in die Südsee teilnehmen. Für Nolde auch ein künstlerischer Befreiungsschlag: Plötzlich leuchtet der Himmel seiner Aquarelle (zwei davon bei Werner), und die raue See wird zum freundlichen, lebensbejahenden Element.

Kunsthandel Wolfgang Werner,

Fasanenstraße 72, bis 16. Juni.

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