• Das Nuovo Quartetto Italiano: Wohlklang nach der Wucht im Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Kultur : Das Nuovo Quartetto Italiano: Wohlklang nach der Wucht im Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Volker Straebel

Neu ist nicht nur das jüngst Entstandene, neu ist auch das wenig Bekannte. Im Konzerthaus legte das Nuovo Quartetto Italiano Zeugnis davon ab. Mit seinem Programm hierzulande selten gehörter italienischer Musik des 20. Jahrhunderts führte es in die gemäßigte Moderne ein, die im Schatten der großen Avantgardisten wenig Verbreitung erfuhr.

Die Entdeckung des Abends waren die "Cantari alla madrigalesca", das dritte Streichquartett von Gian Francesco Malipiero. In dem 1931 komponierten Stück ist der Einfluss von Malipieros prägendem Paris-Aufenthalt von 1913 ebenso spürbar wie neoklassizistisches Musikdenken. Idylle und schnurrende Motorik stehen einander in zyklischem Wechsel der Charaktere gegenüber, klassisches Entwicklungsprinzipien scheinen überwunden. Den ersten Satz musizierte das Nuovo Quartetto in fein ausgehörtem Schmelzklang, während der zweite in übergroßem Sentiment zu versinken drohte. Hier nahmen die Italiener für bare Münze, was neoklassizistischer Distanz bedurft hätte.

Bedauerlich, dass ausgerechnet Demetrio Commuzzi, dessen Bratschenspiel von ungewöhnlicher klanglicher Sensibilität zeugt, mit übermäßigem Vibrato hier den Ton prägte.

Dass Nina Rota neben seinen Filmmusiken für Fellini und Visconti auch absolute Musik schuf, brachte sein zwischen 1948 und 1954 entstandenes Quartett in Erinnerung. Nach dem mit wuchtigem Trotz vorgetragenen zersplitterten Kopfsatz verfiel das Nuovo Quartetto im konventionellen Adagio wieder in sein vornehm klangschönes, aber eben auch risikoloses Spiel. Den Bogen fast ausschließlich nahe am Griffbrett geführt, favorisiert das Ensemble eine sehr homogene Klanggestaltung, die an entsprechend flächigen Stellen ihre Qualität souverän entfaltet, in polyphonen Strukturen jedoch die Einzelstimmen zu egalisieren neigt. Rotas "Allegro robusto" blieb so sehr versöhnlich und auch das D-Dur-Quartett von Ottorino Respighi barg keine interpretatorischen Überraschungen. Seinem Stammrepertoire, der italienischen Literatur des 19. Jahrhunderts, kommt der emotionale Wohlklang des Nuovo Quartetto sicher eher entgegen.

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