Kultur : Das Ölimperium

Daniel Völzke

Man hört es beinah knacken. Aus dem Boden der Galerie Jette Rudolph sprießen schwarze Kristalle, drängen hinaus, als wollten sie geborgen werden. Der Gebäudekomplex in der Zimmerstraße 90 / 91 gehört zu Berlins fruchtbarstem Grund: Gerade eröffnete in der Galerie Barbara Weiss eine Ausstellung mit Filmloops von Heike Baranowsky , bei Wilma Tolksdorf sind Fotoarbeiten der jungen Finnin Elina Brotherus zu sehen und Arndt & Partner zeigt die erste Einzelausstellung des Peruaners William Cordovas in Deutschland. Kommende Woche laden Max Hetzler und die Galerie Klosterfelde zur Vernissage. Da liegt es nahe, das heroische Szenario des 1969 geborenen Frankfurter Künstlers Phillip Zaiser bei Jette Rudolph als Kommentar zum Wachstumsboom der Branche zu lesen (bis 20. Dezember). Den Raum dominiert eine gewaltige Ölpumpe aus Holz (15 900 Euro). Ihr menschliches Pendant thront im Nachbarzimmer: ein aus schwarzen Schindeln geschichteter Mann, der – James Dean zitierend – ein Gewehr schultert. Er steht auf einem Sockel aus Fässern, aus denen gefärbtes Wasser sprudelt (9800 Euro). Mit wenigen Klischees versteht es Zaiser, schlüssige Fiktionen zu bauen: Kristalle, Pumpe, Holz-Dean und das allgegenwärtige Logo des imaginären Öl-Multis „Z-Oil“ bilden ein höllenschwarzes Ensemble, auf das sich die glitzernden Verheißungen der modernen Welt stützen.

Eine Etage darunter öffnet der Amerikaner Ian Monroe bei Upstairs Berlin unter dem programmatischen Titel „All Possibilities Are Visible But Unknown“ mit seinen Bildern neue Räume (bis 23. Dezember) . In den Vinyl-Collagen und der Papierskulptur überlagern sich Architekturelemente und geometrische Muster in leuchtenden Farben – als gleite eine Dimension in die nächste, als würden sich die Perspektiven gegenseitig aufheben. Das Geräusch dafür wäre kein Knacken – eher ein Rauschen (4900 – 80 000 Euro).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben