Kultur : Das Paradies ist anderswo

Frank Noack

wohnt skandinavischen und andere Eheszenen bei Die schwedische Schauspielerin Lena Endre hätte es verdient, ein Weltstar zu sein, so wie Greta Garbo, Ingrid Bergman, Anita Ekberg, Ingrid Thulin, Bibi Andersson, Lena Olin. Ihr fehlt es weder an Talent noch an Kamerapräsenz, ihr fehlt nur ein weltberühmter Regisseur wie Ingmar Bergman, dessen Filme in alle Länder exportiert werden. Keine Geringere als die stets kritische Susan Sontag bezeichnete Endres Darstellung in dem Ehedrama Die Treulosen (2000) als eine der größten schauspielerischen Leistungen der Filmgeschichte. Obwohl Liv Ullmann Regie geführt hat und das Drehbuch von Ingmar Bergman stammte, erlebte der Film seine Deutschlandpremiere unauffällig im Fernsehen. Das Arsenal präsentiert „Die Treulosen“ im Rahmen einer Norwegen-Reihe, denn produktionstechnisch ist Norwegen das Herstellungsland. Ullmann schildert typisch skandinavische Szenen einer Ehe, deren Höhen und Tiefen 155 Minuten lang ausgelebt und analysiert werden. Lena Endre wird heute zur Vorführung erwartet.

Die Intensität der skandinavischen Ehedramen – von Strindberg, Ibsen bis Bergman – beruht darauf, dass ihre Protagonisten ganz auf sich gestellt sind. Dagegen sind die Paare in Helmut Käutners Trümmerfilm In jenen Tagen (1947) Marionetten der Geschichte. Sie werden 1933 auseinander gebracht, begehen in der Pogromnacht 1938 gemeinsam Selbstmord oder blicken im Jahr 1945 optimistisch in die Zukunft. Trotz seiner fragwürdigen Konstruktion – ein sprechendes Auto verbindet die Episoden – beeindruckt Käutners Film durch seine Unmittelbarkeit und die sichtlich abgemagerten Schauspieler, allen voran Ida Ehre, die ihre eigene Geschichte als Jüdin im Nationalsozialismus nachgestalten durfte (Montag im Arsenal).

Im klassischen Genrekino haben die Schurken nur selten Ehefrauen und erst recht keine Kinder. Dass die Realität anders aussieht, hat Theodor Kotulla in seinem Film Aus einem deutschen Leben (1977) betont: Götz George spielt Rudolf Höss, den Kommandanten des Vernichtungslagers Auschwitz, als unauffälligen Familienvater. Seine Ehe: keine Hölle, kein Paradies, sondern Routine. Wie das Töten (heute im Arsenal).

Mit einer konventionellen Paarbeziehung will sich die Heldin von Bigas Lunas Lulu (1990) nicht abgeben. Sie sucht nach dem Ende der Franco-Ära die absolute sexuelle Befreiung. In dem als Softporno unterschätzten Drama gab Javier Bardem sein Filmdebüt als einer der vielen Liebhaber der Protagonistin (Sonntag und Montag in den Eva-Lichtspielen).

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