Kultur : Das Phantom des Intendanten

Staatsoper: Reaktionen auf das Aus für Mussbach

Christiane Peitz

Wie geht’s weiter an der Staatsoper? Anlass zur Panik bietet das Aus für Intendant Peter Mussbach und den Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler zunächst nicht. Das Haus, sagt Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz, bleibt „voll handlungsfähig“. Bis zum Ende seiner Amtszeit am 31. Juli 2010 wird Mussbach die Sanierung und den Umzug ins Schillertheater vorbereiten; für die mittelfristige Planung genießt Operndirektor Ronald H. Adler allseitiges Vertrauen. In der Kulturverwaltung ist man zudem optimistisch, rechtzeitig geeignete Nachfolger zu finden. Schließlich, so sagte Schmitz schon Anfang März, lockt „ein für 250 Millionen Euro saniertes Haus, ein tolles Orchester, eine aufregende Stadt“. In jedem Fall braucht der Neue Managerqualitäten; nach Auffassung vieler muss es diesmal kein Intendanten-Regisseur sein.

Die Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus sind jedoch besorgt. Dass Intendant und Geschäftsführer gehen, beunruhigt Michael Braun, den kulturpolitischen Sprecher der CDU, wegen der ab 2010 anstehenden Sanierung. „Von den drei Machtzentren des Hauses ist nur noch eins übrig. Offenbar hat sich Barenboim in vollem Umfang durchgesetzt“, sagte Braun dem Tagesspiegel. Auch das Timing sei ungeschickt: „Peter Mussbachs Autorität ist angeschlagen. Bei all seinen Verdiensten um die Staatsoper fragt sich, ob es klug war, zwei Jahre vor Beendigung einer Tätigkeit dieses Ende bekannt zu geben. In Amerika nennt man so jemanden eine lame duck.“ Berlin, glaubt er, dürfte es schwer haben, einen profilierten Intendanten zu finden. Zumal auch andere große Opernhäuser neue Chefs suchen, so endet der Vertrag von Alexander Pereira in Zürich 2011.

Christoph Meyer von der FDP spricht vor dem Hintergrund des Erfolgs der Staatsoper von einem „Scherbenhaufen“: „Wer leitet das Haus in der Sanierungsphase? Wer sorgt für klare Kompetenzverteilung und dafür, dass es keinen Leerlauf bei der Spielplangestaltung gibt?“ Die Entscheidung, die Verträge von Mussbach und Vierthaler nicht zu verlängern, weil sie sich über den neuen Wirtschaftsplan zerstritten haben, sei nachvollziehbar. Umso mehr fordert Meyer von Kultursenator Klaus Wowereit, der Staatsoper nun den überfälligen Finanzplan abzuverlangen – als Grundlage für die Zukunft des Hauses.

Alice Ströver von den Grünen schimpft über die „Kamikaze-Aktion“. „Verheerend“ und „kopflos“ sei das gleichzeitige Aus für Geschäftsführer und Intendant. „Man muss doch erst den Nachfolger wissen, bevor man den Vorgänger entlässt! Klaus Wowereit muss jetzt ganz schnell einen neuen Intendanten benennen.“

Mit den Kollegen von CDU und FDP ist Ströver sich einig, dass ein Manager-Intendant gebraucht wird, der in der Lage ist, ab 2010 eine riesige Baustelle zu leiten. Bis dahin fragt sich vor allem, wie viel Engagement ein Intendant aufzubringen vermag, der um seinen baldigen Abschied weiß. Für die Nachfolgesuche sind zwei Jahre schrecklich kurz. Für eine Selbstblockade verdammt lang. Christiane Peitz

0 Kommentare

Neuester Kommentar