Kultur : Das Programm für 1999 wurde gerade vorgestellt, doch die Zukunft steht in den Sternen

Frederik Hanssen

Joseph Beuys schreitet entschlossen voran auf dem Plakat der "Jahrhundertausstellung" der Berliner Nationalgalerie, die am 4. September als Festwochenhöhepunkt 1999 eröffnet wird. Die Leitung der Berliner Festwochen dagegen tritt lieber einen Schritt zurück, wenn man sie nach der Zukunft der Institution befragt: Zwar soll alles anders werden im nächsten Jahrtausend bei Berlins wichtigstem Festivalveranstalter - nur wie, das war auf der gestrigen Pressekonferenz weder dem Intendanten Ulrich Eckhardt noch seinem "Vertrauten" Torsten Maß zu entlocken. "Verstetigen" wolle man die Festwochen ab dem Jahr 2000, also aus dem engen Korsett der traditionellen drei Septemberwochen herauslösen und zu einer ganzjährigen Veranstaltung machen, die schnell auf aktuelle Trends reagieren könne. Ob dafür tatsächlich zusätzliche Bundesmittel fließen werden und vor allem mit welchen künstlerischen Köpfen die neuen Festwochen starten werden, mochten die beiden Herren auch auf beharrliches Nachfragen nicht verraten. Immerhin eröffnete Eckhardt, dessen Vertrag am 30.12.2000 ausläuft, dass er seinen Platz für einen "Jüngeren" freimachen wolle.

Auch auf die Frage, ob der Ort der Pressekonferenz - die Hauptbühne des geschlossenen Schiller-Theaters - ein Wink mit dem dramaturgischen Zaunpfahl sei, hieß es nur ausweichend: selbstverständlich wolle man in Zukunft hier häufiger präsent sein. So wurde es eine Pressekonferenz der Rückschau: Man passte sich dem diesjährigen Festwochen-Programm an. Mit des Wortes Urgewalt erläuterte Peter-Klaus Schuster, der neuen Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, in einem fulminanten dreißigminütigen Monolog sein Jahrhundert-Rückschau-Projekt: "Kunst in Deutschland", nicht aus Deutschland heißt die große Schau, die zeigen will, dass im 20. Jahrhundert das Kunstgeschehen "nirgendwo so international" war wie in diesem Land.

Drei "Blick-Achsen" werden dafür errichtet, die jeweils die gesamte Zeitspanne umfassen: "Die Gewalt der Kunst" im Alten Museum untersucht den Glauben an die gesellschaftliche Wirkungsmacht der Kultur, "Geist und Materie" sucht im "Glas-Gral" der Neuen Nationalgalerie nach Beispielen für die Vergeistigung der Kunst und "Collage-Montage" im Hamburger Bahnhof schließlich huldigt dem offenen Kunstbegriff. Über dieses Mammutprojekt wie über die dazugehörigen "Satelliten-Ausstellungen", aber auch über das "Gustav Mahler-Fest" mit dem Gesamtwerk des Komponisten, über das Theaterprogramm mit jungen Regisseuren aus Osteuropa sollten sich die Besucher im kostenlosen, opulent aufgemachten "Festwochen-Journal" informieren, das rechtzeitig zum heutigen Vorverkaufsbeginn ausgeliefert wird. Ulrich Eckhardt wünscht sich auch 1999 sehnlichst "ein vorbereitetes Publikum". Tun wir ihm den Gefallen!Vorverkauf: Budapester Straße 50, Telefon 030-254 890

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