Kultur : Das Rauschen der Wälder

YOUNG EURO CLASSIC

Friedemann Kluge

Bravo Litauen! Das war die überzeugende Präsentation der großen Musik eines kleinen Landes am Montag im Konzerthaus . Warum eigentlich kennt bei uns keiner Mikolajus Konstantinas Ciurlionis, diesen Malerkomponisten mit der gar nicht einmal so abwegigen Philosophie, dass ein Gemälde wie Musik und Musik wie ein Gemälde zu sein habe? Die stilistische Einordnung seiner symphonischen Dichtung „Im Wald“ fällt nicht ganz leicht, denn hier sind die Atemgeräusche eines Dvorak ebenso zu vernehmen wie die eines Richard Strauss – und doch ist es eine ganz eigene, besondere Musik, die von dem höchst erlesenen Symphonieorchester der Litauischen Musikakademie unter der Leitung von Robertas Servenikas kraftvoll-poetisch intoniert wird.

Im musikalisch luftleeren Raum ist auch Algirdas Martinaitis nicht aufgewachsen. Seine „Unvollendete“ beginnt mit einer Paraphrase des Walkürenritts, findet aber bald zu einer eigenen, starken, rhythmusbetonten Sprache, die ihm einen Platz neben den großen Zeitgenossen Pärt oder Rautavaara sichert. Das mit nur 12 Minuten Dauer fast winzige Violinkonzert Nr. 2 von Eduardas Balsys kommt als ein hochvirtuoses Kabinettstückchen daher, das der Solistin Ingrida Armonaite jedes Können abverlangt. Gut, dass auch die selten zu hörende c-moll-Symphonie von Edvard Grieg hier einmal präsentiert wurde. Gut deshalb, um das Urteil, das die Zeit über sie gesprochen hat, nicht revidieren zu müssen: Mit ihrem Mangel an Themen und den Schwächen in der Durchführung ist sie einfach kein großer Wurf des Norwegers. Das junge Orchester machte aber auch hier seine Sache gut – zum Jubel des Publikums.

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