Kultur : Das Runde muss ins Scheckige Ballermänner und Ballerinen: „FC Venus“

Julian Hanich

Wenn Priester über Bälle predigen, wenn die Trauung auf’m Platz ist, wenn im Schlafzimmer Kunstrasen ausgelegt wird und gestandene Mannsbilder in Effenberg-Bettwäsche nächtigen – dann befinden wir uns mitten im ganz normalen Wahnsinn der Fußball-Provinz. Ausgerechnet dorthin verschlägt es – aus Berlin! – Anna mit ihrem Freund Paul. Der Grund: Pauls Ex-Team Eintracht Imma steckt in Abstiegsnot, denn der Kopf des Topstürmers Udo hat gehirnerschütternd intime Bekanntschaft mit dem Torpfosten gemacht. Der Rest der Mannschaft wäre mit Namen wie Räuber Holzenbolz, Umhackl-Schorsch und Tobias „Der Ball ist wund“ Rau noch zu freundlich beschrieben.

Nur, ist das eigentlich gut, für Imma immer bereitzustehen? Anna versucht’s mit einer Wette: Die frustrierten Spielerfrauen treten gegen Eintracht Imma an. Wenn sie gewinnen, gibt’s nie mehr Fußball für die Gatten. Siegen die Männer, bleiben alle weiblichen Klagen zum Thema Fußball künftig aus. Mann oder Frau? Es kann nur einen geben.

Regisseurin Ute Wieland greift in „FC Venus“ tief in die Klamottenkiste und fischt Gags heraus, die längst von Motten zerfressen sind – und doch erstaunlicherweise immer noch ziehen. Der Film funktioniert als sympathische Klamaukiade mit Emanzipationsanspruch: witziger als der maue Titel, mit Hits von „Azzurro“ bis „Venus“ stimmungsvoll unterlegt und auf fast allen Positionen gut aufgestellt. Nora Tschirner als moderne Lysistrata, Heinz Hoenig als Trainer mit Rudi-Assauer-Charme und Florian Lukas als ländlicher Fußball-Narr – das passt wie das Runde ins Eckige. Nur Christian Ulmen als Superknipser Paul wirkt so glaubwürdig, wie wenn man die Heulsuse Andy Möller als Dirty Harry besetzen wollte.

Aber egal: Im beschwingten Stil von „Brassed Off“ oder „Ganz oder gar nicht“ lässt Ute Wieland ihre Außenseiterinnen ins Gefecht ziehen. Dass dabei nicht alles mit fairen Mitteln zugeht – eh klar. Einige Spielerinnen verheimlichen ihre Fußball-Vergangenheit. Andere werden mithilfe mieser Verführungstricks ans Team gebunden (Sex im Klo und so). Und der Frauen-Trainer entpuppt sich zum Schrecken des Gegners als international gefragter Spitzencoach, der die Landpomeranzen zu Superweibern hochtunen will. „Fair is foul, and foul is fair“ würden die Hexen aus „Macbeth“ wohl sagen. Aber warum eigentlich nicht? Männer sind schließlich von der Venus, Frauen vom Mars.

In 14 Berliner Kinos

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