Kultur : "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers

Nadine Lange

Die Hoffnung ist klein und zerbrechlich, aber sie hat das letzte Wort: "Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar." Mit der Stärke dieses unverletzlichen Inneren gelingt dem Mechaniker und Kommunisten Georg Heisler die Flucht aus dem KZ Westhofen. Er wird nicht an das für ihn aufgestellte siebte Kreuz auf dem Lagerplatz geschlagen. Wenn auch die anderen Kreuze für die misslungene Flucht seiner Kameraden stehen: Dass sein Platz leer bleibt, gibt allen Lagerinsassen Kraft. Heisler ist darauf angewiesen, dass andere ihm helfen. Wenn er bei alten Bekannten auftaucht, zittert man mit ihm: Diesmal geht es schief. Doch immer wieder finden sich Menschen, die helfen. Darauf konnte Anna Seghers selbst nicht vertrauen: Als Jüdin und KPD-Mitglied war sie doppelt gefährdet. Nach kurzer Inhaftierung floh sie 1933 und schrieb "Das siebte Kreuz" im Pariser Exil. In einer Moskauer Zeitschrift erschien 1939 ein Teilabdruck. 1942 kam das Buch in Mexiko heraus, wurde 1944 von Fred Zinnemann in den USA verfilmt. In der DDR avancierte der "den toten und lebenden Antifaschisten Deutschlands" gewidmete Roman zur Pflichtlektüre - zur beliebten allerdings: Das Buch ist nicht nur antifaschistisch, sondern vor allem sehr spannend.

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