Kultur : Das Strategiespiel

Streit um Suhrkamp: Die Investoren Grossner und Barlach preschen vor

Gerrit Bartels

Wie befürchtet, gibt es im Streit um den Suhrkamp Verlag kein Zeichen der Versöhnung. Nachdem der Verlag zuletzt via „Focus“ seine juristische Abwehrstrategie und auch die Überzeugung zu siegen mitgeteilt hatte („Die feindliche Übernahme wird nicht gelingen“), kam die Reaktion aus Hamburg von SeitenHans Barlachs und Claus Grossners prompt. So schlugen die beiden neuen Minderheitengesellschafter zwar eine externe Vermittlung in Form eines auch „vertraglich von Siegfried Unseld vorgesehenen Schiedsgerichts“ vor; in einem dreiseitigen Strategiepapier aber skizzieren sie in elf Punkten unerbittlich ihre Reaktion auf die Klage des Suhrkamp Verlags gegen die Minderheitengesellschafter sowie das eigene weitere Vorgehen.

So betont man, dass die Medienholding AG Winterthur zu 50 Prozent Gesellschafter der Suhrkamp AG, Zürich, ist und diese Suhrkamp AG „keineswegs nur eine Vertriebsgesellschaft, sondern ein vollwertiger Verlag“ ist. Und unter Punkt vier fährt man fort: „Einer Klage sieht die Medienholding AG Winterthur mit großer Gelassenheit entgegen. Ein Wechsel im Aktionariat einer Schweizer Aktiengesellschaft, der auch in der Vergangenheit stattfand, gibt einer ausländischen Minderheitsbeteiligung keinerlei Auskunfts- oder Zustimmungsrecht. Die Frage, wer eigentlich wo gegen wen klagen will, ist unbeantwortet.“ Das Papier ist in einem Ton verfasst, der viel Fürsorge für den Verlag verät, „Hauptziel muss es bleiben, weiteren Schaden von den Verlagen abzuwenden“, aber auch die feste Entschlossenheit, die gegenwärtige Geschäftsführung nicht nur durch unabhängige Wirtschaftsprüfer kontrollieren zu wollen, sondern auch zu desavouieren.

Unter Punkt sieben begrüßt die Medienholding AG Winterthur die Erklärung von 24 Suhrkamp-Autoren für ihren Verlag und auch für Unseld-Berkéwicz aus dem Dezember, legt aber Wert auf die Feststellung, dass „weltberühmte Autoren“ sich eben nicht solidarisiert hätten. Und sie fügt an: „Die Meinung, dass die gegenwärtige Geschäftsführung nicht in der Lage ist, dem Erbe Peter Suhrkamps und Siegfried Unselds in der anfälligen und raubtierhaften Wettbewerbswirtschaft die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, hat sich verstärkt.“

In diesem Duktus geht es weiter. Auch die „Hexen“- und „Spiritismus“-Vorwürfe gegen Unseld-Berkéwicz werden erwähnt, aber zusammen mit dem „Thema Soap Opera“ als „strikte Privatangelegenheit“ bezeichnet (warum aber überhaupt die Erwähnung?).Und es werden noch andere Muskeln hergezeigt: Einmal mehr ist von„konstruktiven Gesprächen“ mit „ehemaligen Verlagsleitern und einer großen Zahl von Suhrkamp-Leistungsträgern“ die Rede, ja, davon, dass viele dieser „Suhrkamp-Leistungsträger“ „unzureichend am ökonomischen Erfolg der Verlagsgruppe beteiligt“ seien und für sie Beteilungsmodelle entwickelt und durchgesetzt werden sollen.

Natürlich würde man gern wissen, wer die Autoren und ehemaligen Verlagsleiter (Günter Berg? Rainer Weiß?) sind, die da konstruktive Gespräche geführt haben, doch auf Anfrage wiegelt Claus Grossner ab; Namen werde er am Telefon keine nennen, auch nicht, wer die „führenden Repräsentanten“ der Suhrkamp-Kultur sind, die sich laut Strategiepapier zu Ostern in seinem Haus und unter dem Banner seiner Initiative „WWW–WissenWeltethosWeltzukunft“ treffen werden. „Wissen Sie“, sagt Grossner, „durch die Auseinandersetzungen der letzten Monate habe ich viel Kontakt mit Suhrkamp-Autoren- und Repräsentanten gehabt, das ist doch selbstverständlich“.

Und er sagt im Hinblick auf Ulla Unseld-Berkewicz: „Man muss ihr doch eine Zukunft aufzeigen!“ Wie die unter anderem aussehen könnte, lässt sich an dem (oben abgebildeten) Flyer sehen, der aus dem Büro von Claus Grossner als „Saluti 2007“ mitgeschickt wurde: Die Welt, Europa, eine Basisstation nach Art eines Raumschiffs, die Grossner-Villa, die Sonne. Und, ganz rechts, ein Spaß, na klar: eine Heuschrecke.

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