Kultur : Das Versprechen alter Dinge

Wie aktuell können Antiquitäten sein? Die 8. Ars Nobilis im Automobil Forum Unter den Linden gibt eine überraschende Antwort

Christiane Meixner

Still sitzt sie in der Koje und fällt doch sofort auf: Magdalena Muelich, vom Nürnberger Maler Lorenz Strauch 1584 in einem kleinen, wunderbaren Porträt verewigt. Seinen Platz auf der Ars Nobilis (Galerie Frye und Sohn) hat es nicht nur ob einer präzisen Ikonografie, was die Kleidung anbelangt. Auch die Malweise – eine sparsame Darstellung vor monochrom abstrahiertem Hintergrund – macht es so zeitlos, dass man sich das Gemälde überall vorstellen kann: im historischen Ambiente ebenso wie zwischen modernem Mobiliar.

Davon gibt es viel auf der nun achten Messe für Kunst und Antiquitäten im Automobil Forum unter den Linden. Zehn Tage lang wird hier Kostbares von 28 Kunsthändlern ausgebreitet, das von der Vergangenheit erzählt, ohne überholt zu sein. Die famos gemalten Insekten oder floralen Motive auf Meissner Porzellan von Renate Steinbeck gehören ebenso dazu wie die antiken Teppiche, die Franz Bausack erstmals mit den zerbrechlichen Objekten seiner Standnachbarin im Dialog inszeniert hat. Ernst von Loesch kombiniert historische XXL-Souvenirs wie den Schiefen Turm von Pisa aus Alabaster mit strengen architektonischen Entwurfszeichnungen aus dem 19. Jahrhundert, die die Moderne in Details vorwegnehmen und bereits für ein paar hundert Euro zu haben sind.

Nach oben ist der finanzielle Rahmen wie immer offen, und natürlich braucht man für Prunkstücke wie den Verwandlungstisch von David Roentgen (Galerie Neuse) oder jenen Sekretär von 1821 (Kunsthandel Wittenborn-Czubazek), dessen Innenleben ein kleines Spiegelkabinett mit Säulen offenbart, ein gut gefülltes Portemonnaie. Wer aber sein Herz für eine dieser Pretiosen aus fünf Jahrhunderten öffnet, hat bald den Eindruck, dass viele dieser Dinge es qualitativ mit aktueller Kunst aufnehmen können und im Vergleich zum überhitzen Contemporary-Kunstmarkt erstaunlich erschwinglich sind. Auch wenn eine Antiquität niemals zeitgenössisch sein kann – etwas für Zeitgenossen ist sie allemal.

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