Kultur : Das Vitra Design Museum aus Weil am Rhein eröffnet seine Berliner Filiale

Clemens Wergin

Schon der Auftritt ist beeindruckend: Zwei riesige neogotische Backsteinbögen bilden das Eingangstor zum Bewag-Umspannwerk Humboldt an der Kopenhagener Straße. Im Innenhof des in den 20ern von Hans Heinrich Müller gebauten Komplexes dann der Kopf der Anlage: Der ovale Turm ist über zwei Brücken mit den Seitenflügeln verbunden, der langgestreckten Transformatorenhalle rechts und den Schalterhallen links. Im obersten Stockwerk des Backstein-Eis liegt die Schaltzentrale, die noch bis 1993 in Betrieb war. Alles mit grauem Lack überzogen, selbst die Wandverkleidungen aus Marmor - zur Isolierung der Steuerinstrumente - sind grau.

Doch damit soll es nun ein Ende haben: "Impulsmeldeanlage" steht über einem der Schaltkästen, und ein solcher ist im Anmarsch: In einem Monat will hier das Vitra Design Museum aus Weil am Rhein seine Berliner Dependance beziehen. Herzstück der Ausstellung wird die 100 Meter lange Transformatorenhalle sein. Alexander von Vegesack, Direktor des Vitra-Museums, ist begeistert: "Wo finden Sie das noch, eine Ausstellungshalle, in die Sie direkt mit dem Lkw fahren können, um die Stücke anzuliefern?" Mehrere hunderttausend Mark investiert die Stiftung in die Herrichtung der langgestreckten Halle. Am 1. Juli soll alles fertig sein, dann will man den Berlinern regelmäßig jene Ausstellungen präsentieren, die das Vitra-Museum um die Welt reisen lässt. Eine Retrospektive des dänischen Designers Verner Panton, bekannt für seine psychedelischen Möbel-Visionen aus den 70ern, wird den Reigen eröffnen, gefolgt von Möbeln, die für Kinder entworfen wurden ("Kid Size"). Danach werden die Stadtvisionen des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright gezeigt sowie Mies van der Rohe als Möbeldesigner präsentiert.

Miete muss das Museum nicht zahlen, dafür reichen die Stiftungsgelder ohnehin nicht - schließlich ist man weitgehend unabhängig vom Möbelhersteller Vitra, und die Ausstellungen sollen sich finanziell selber tragen. Für die Bewag rechnet sich der Deal trotzdem, schließlich bezahlt das Museum die Umbauten selber, begleicht die Nebenkosten und macht den Standort attraktiv. "Immobilienentwicklung" nennt man so etwas heute. Das Kalkül: Mit dem Renommee des international bekannten Museums als Köder sollen zahlungskräftige Mieter für die um die Transformatorenhalle gruppierten Gebäude gewonnen werden. Laut Vegesack hat sich schon die "Fondation Beyerle" aus Basel angekündigt, der Kurator der Berliner Vitra-Dependance Matteo Kries will zudem Kreative und Think-Tanks von Unternehmen ansiedeln, aber auch mit Workshops und Vorträgen den Anwohnern ein Angebot machen.

Dies war wohl das Anliegen der Bewag, als sie ihre aus den 20er Jahren stammenden, nicht mehr gebrauchten E-Gebäude im Katalog "Elektropolis Berlin" vorstellte. Zwar ist das Umspannwerk nicht ganz so attraktiv wie das von Frank Gehry entworfene Mutterhaus des Design-Museums. Im "Kathedralenstil" erbaut, besitzt es jedoch die nötige formale Strenge, um die Ausstellungsstücke zur Geltung kommen zu lassen.Vitra Design Museum, Kopenhagener Straße 58, ab 1. Juli mittwochs bis sonntags 11 bis 20 Uhr, Eintritt 10 Mark, ermäßigt 6 Mark.

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