Kultur : Das Vogelhotel

Thomas Schüttes Skulptur auf dem Trafalgar-Square

Markus Hesselmann

Die Hauptsorge gilt den Tauben. Es wird nicht einfach sein, ein Kunstwerk mit 110 Quadratmetern Oberfläche immer wieder vom Vogeldreck zu säubern. „Mir wurde gesagt, dass es täglich gereinigt wird“, sagt Thomas Schütte, dessen mehrfarbige Glasskulptur „Model for a Hotel 2007“ gestern in London auf dem Trafalgar Square enthüllt wurde. Ein eigens gegründetes Kuratorenkomitee stellt inzwischen schon fast traditionell moderne Kunst auf dem vierten Sockel des Platzes aus, bei dem einst das Geld für ein weiteres Standbild fehlte. Achtzehn Monate wird das Architekturmodell des deutschen Künstlers dort stehen.

Ansonsten steht es für nichts, auch nicht für ein reales Projekt, wie Architekturmodelle es sonst so an sich haben. Freundlich bis schelmisch lächelnd weicht Schütte den Fragen der Journalisten aus. Er mag sein Werk nicht erklären. Nur so viel: „Farbe ist eine eigene Sprache“, sagt er. Und der Name? Zwischenzeitlich sollte es doch „Hotel for Birds“ heißen, eine Anspielung auf die Tauben? Und warum der Sinneswandel beim Namen? Das zu deuten „überlasse ich den Literaten“, sagt Schütte.

Londons Bürgermeister Ken Livingstone lobt in seiner Ansprache ein „Kunstwerk, das sich verändert. Die Menschen werden es immer wieder sehen wollen“. Je nach Perspektive und Lichteinfall variiert die farbliche Wahrnehmung der bis zu viereinhalb Meter hoch jeweils mit Zwischenräumen übereinander geschichteten Glasplatten.

Die Form des rund acht Tonnen schweren aber luftig und leicht wirkenden Werks lässt nicht nur an ein Gebäude, sondern auch an ein Schiff denken. Das wäre dann eine weitere Reminiszenz an den Ort, der mit seinem Namen und der Statue von Admiral Nelson an die Seeschlacht von Trafalgar erinnert, bei der die Briten 1805 Spanien und Frankreich schlugen. Von Tauben will Thomas Schütte jedenfalls heute nichts mehr hören. „Ich mag keine Tauben.“ Warum nicht? „Kein Kommentar“, sagt er lächelnd. „Ich mag den Falken, der hier herumfliegt.“ Markus Hesselmann

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