Das White-Lung-Album "Deep Fantasay" : So viel Leben!

Viel Frische und ungezügelte Wut: "Deep Fantasy",. das neue Album der kanadischen Neo-Punkrock-Band White Lung.

von
Cover des White-Lung-Albums "Deep Fantasy"
Cover des White-Lung-Albums "Deep Fantasy"Foto: promo

Mit der Rockmusik ist es in diesen Tagen so eine Sache. Es gibt sie entweder nur noch auf den Freiluftbühnen dieser Welt, dargeboten von abgehalfterten Helden wie Aerosmith, Black Sabbath oder den Stones; oder in Verbindung mit dem Blues, dargeboten von einigen wenigen, dafür um so großartigeren Musikern wie Jack White oder den Black Keys.

Insofern ist es nur begrüßenswert, dass sich zumindest in einem Subgenre des Rock, dem Punkrock, der ja lange Zeit auch nur von alten Helden dominiert wurde, einiges tut, zumindest auf dem nordamerikanischen Kontinent. Da wären etwa Howler aus Minneapolis, die sich stark an Hüsker Dü und den frühen Replacements orientieren; die kanadische Band Fucked Up, die einen manchmal geradezu jubilierenden Hardcore spielt; und die ebenfalls aus Kanada stammenden, inzwischen in Los Angeles lebenden White Lung, insbesondere wegen ihres jüngsten Albums „Deep Fantasy“ (Domino). Nachdem die Band um Sängerin Mish Way und Schlagzeugerin Anne-Marie Vassiliou 2012 mit ihrem 19-minütigen Album „Sorry“ erstmals manche Rockmagazine verzückt hatte, hat sie jetzt ein frühes Meisterwerk abgeliefert. Zehn Stücke auf einer Länge von nun immerhin knapp 23 Minuten gibt es auf „Deep Fantasy“ – und so energisch und brachial, wie es hier zur Sache geht, ist der Energieverlust beim Hören geradezu obligat.

Erstaunlich aber, dass sich bei White Lung nach und nach der Rock in den Punk hineinschlängelt, der Alternative Rock, um genau zu sein, aber einer mit viel Pop-Appeal. White Lung dreschen nicht einfach drauflos, sondern haben tatsächlich Songs geschrieben, mitunter gar melodiöse; Songs, die um Gender-Themen ebenso kreisen wie um das bloße Unglücklichsein in der Welt. Mish Way singt inzwischen mehr, als dass sie schreit, so wie das noch auf „Sorry“ der Fall war – was durchaus eine Riot-Girl-Anmutung der alten Neunziger-Schule hat, will heißen Hole, L7 oder Bikini Kill. Aber wegen der Frische und der ungezügelten Wut, mit der die Songs auf „Deep Fantasy“ rüberkommen, spielt retro hier kaum eine Rolle. So viel Leben war lange nicht im Rock!

0 Kommentare

Neuester Kommentar