Kultur : Dash Snow

Jens Hinrichsen

Auch Saddam Hussein wird seine guten Minuten gehabt haben, deshalb muss man sich sein Konterfei nicht aufs T-Shirt bügeln. Doch obwohl Dash Snow den Diktator sogar als Tattoo auf dem Arm trägt, bleibt die Empörung aus. Stattdessen ist die Kunst-Society entzückt von allem, was Snow denkt, sagt und produziert. Das schwarze Schaf einer reichen Mäzenatenfamilie wurde 1981 in New York geboren, kokste und klaute früh und kam mit 13 in den Knast. So einer konnte wohl nur Künstler werden. Die Marke Dash Snow lebt vom Image des Abgedrehten, der George W. Bush mit Pin-Ups und Pistolen in eine Hakenkreuz-Collage einarbeitet – Liebesgrüße vom Shooting Star der New Yorker Szene, der mit 200 Arbeiten in Berlin angekommen ist. Provokanter Blickfang in der Galerie Contemporary Fine Arts: Eine Wand mit Saddam-Porträts, die Snow mit farbigem Glitter veredelt hat. Das Konfetti klebt am getrockneten Sperma des Künstlers, das der Käufer mit der 20-teiligen Arbeit dann gleich mit erwirbt (48 000 Euro).

Snows Kunst, die vor allem dem Prinzip Collage huldigt, steckt voller Widersprüche. Die Zartheit, der zerbrechliche Glamour der Form steht konträr zu krassen Erzählungen von Gewalt, Drogenkonsum und Kriminalität. Snow schneidet Schlagzeilen aus, die von Messerstechereien oder Serienkillern berichten und lässt die Buchstabenfolgen übers Blatt mäandern wie Perlenketten. Wenn er Cremetortenbilder mit Zeitschriftenfotos einer Exekution kombiniert – die Kugel trifft, während die Gabel ins Gebäck sticht – beweist Snow einen geradezu verstörenden Sinn für Poesie (Sophienstraße 21, bis 23. Juni)

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